Hallescher Herbst
(Für Erik Neutsch)
Auf welken Blättern gehn die Stunden durch die Luft.
Mit jedem Tage stirbt ein wenig Sonnenlicht.
Das faule Laub durchdringt den Wind mit seinem Duft,
und mancher Alte quält sich schwer mit seiner Gicht.
Die Menschen gehen müd die grauen Straßen ab,
nass und kalt durchdringt das Wasser meine Schuh.
Ich seh' trauernd, wie ich's noch nie gesehen hab,
dem Regen und seinem düstern Tropfen zu.
Es ist, als ob allmählich nun die Welt vergeht.
Von jedem Herbstblatt grinst der bleiche Tod mich an.
Den letzten Atemzug von einem Mensch verweht
der erste kalte, winternahe Herbststurm dann.
Dem Lebenden wirds unaussprechlich schwer zumut:
Ein jeder Windhauch greift ihm heftig an das Herz;
es atmet sich so schwer und ständig stockt das Blut,
und alles, was man jetzt noch lebt und fühlt ist Schmerz.
(21. Oktober 1996)
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