Jáchymov
Die kleine Propellermaschine landet auf einer roten Sandpiste, mitten in der Steppe. Am Ende der Landebahn holt uns eine Staubwolke ein und legt sich uber die Wellblechhalle, vor der die Maschine anhalt.
Der Pilot schiebt die Haube hoch. Er hilft mir beim Aussteigen.
Dann offnet er eine Rumpfklappe und zieht meinen Koffer hervor. Zum Abschied reicht er mir die Hand. Die Tur zur Wellblechhalle ist herausgebrochen. Unter einer Fensteroffnung liegen Glasscherben. Ich soll vom Chauffeur der Farm abgeholt werden, aber da ist niemand.
In der Halle steht nur ein verstaubtes Flugzeug, auf dem ein Vogel spazieren geht. Er schaut mich misstrauisch an und weicht zuruck, als ich naher komme. Das Schiebetor am anderen Ende der Halle ist halb geoffnet, dahinter die Steppe. Auf dem Zufahrtsweg steht ein verlassener Jeep.
Ich gehe auf ihn zu.
Taxi, Mam!
Das sagt jemand hinter mir. Ein Mann sitzt im Schatten der Halle und raucht eine Zigarette.
Sind Sie der Chauffeur, frage ich.
Taxi, Mam, ist alles, was er sagt. Er wiederholt es, bis ich einsteige. Der Sitz ist zerfetzt, die Scheibenwischer sind abgebrochen. Bevor er losfahrt, springe ich aus dem Wagen und laufe davon. Aber der Jeep folgt mir. Mit hoch gerafftem weisem Kleid haste ich uber die ausgetrocknete Erde, das kniehohe Gras zerkratzt mir die Beine. Ich ducke mich hinter ein Distelgewachs, um einen Moment zu verschnaufen. Ich trage nur Sandalen und weise Ringelsocken. Wie bei der Erstkommunion, denke ich und ziehe ein paar Dornen aus den Socken. Ich hore das Motorengerausch und sehe die Staubfahne auf mich zukommen. Heiliger Thaddaus, machtiger Fursprecher, blicke herab auf mich!
Ich springe auf und laufe weiter. In meinen Sandalen verfangt sich Gestrupp, das ich mitschleife. Der Jeep kommt naher. Nach kurzer Zeit muss ich die Richtung andern, denn vor mir tut sich ein tiefer Graben auf, ein Abgrund, in dem ganz unten ein ausgetrocknetes Flussbett liegt.
(...)
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