Von der Flucht in die Tropen
Eine politisch unkorrekte Brutaleske in drei Teilen
I
Ich habe alles satt, und flüchte in die Tropen. Zwanzig Jahre später komme ich zurück, voller Sonne und Malaria. Meine Frau hat sich in eine griesgrämige Vettel verwandelt und ist auseinandergegangen wie ein Teig. Sie hat in meiner Abwesenheit geheiratet, ist aber mit dem Neuen, der inzwischen selbst schon wieder alt ist, auch nicht glücklich, weil er im Bett furzt. Meine Frau schreit mich an, als wir uns wieder begegnen, sie fragt: "Was fällt dir eigentlich ein?" Natürlich sind wir sexuell zueinander hingezogen, wir haben es ja immerhin zwanzig Jahre nicht miteinander getrieben. Wir rutschen wie zwei gestrandete Quallen aufeinander herum, überall sind Fleischfladen, wo früher köstliche Luft war, die Haut fühlt sich an wie mit Industrieschaum aufgepolstertes Kunstleder, es ist eine unglaubliche Viecherei. Ich bekomme sofort danach einen Malariaschub, der den Eingriff eines Notarztes erfordert. Meine Frau will sich am nächsten Tag auf Geschlechtskrankheit untersuchen lassen, weil ich mir da unten ja sonstwas geholt haben könnte. Die Vettel, die griesgrämige.
II
Als ich wieder gehen kann und auch kein Fieber mehr habe, treffe ich auf unseren gemeinsamen Sohn, der mittlerweile natürlich erwachsen ist. Er sagt, daß er mich haßt, weil ich ihn die ganze Kindheit und Adoleszenz lang allein gelassen habe. Ich sage: "Du blöder Hund. Was hättest du denn mit einem wie mir anfangen wollen, in deiner Kindheit?" Er fängt an zu heulen, daß er in Therapie ist wegen mir, und nicht Autofahren kann und keine richtige Freundin kriegt, und ich werfe ihm noch ein paar Geldscheine hin und gehe. "Geh nur", ruft das undankbare Rotzbalg, "hau nur ab! Was anderes kannst du sowieso nicht." Da drehe ich noch einmal um und hole mir das Geld wieder. Wer nicht will, der hat schon. "Geh kacken", sage ich zum Abschied, und die Memme heult, während sie mir das Geld aus der Hand winden will. Aber natürlich ist er dazu zu schwach, der Hund, der blöde.
III
Ein paar von meinen Freunden von damals haben überlebt, und wir treffen uns. Sie sind ganz geil auf irgendwelche Geschichten aus meiner Zeit in den Tropen. Ich sage nur: "Es war hart. Aber ich habe auch die sonnensatte Liebe sündiger Insulanerinnen gekostet." Sie werden gelb im Gesicht vor Neid und fangen sogar eine Schlägerei untereinander an, als sie völlig betrunken sind. Der Wirt wirft mich hinaus, obwohl ich nicht beteiligt war. Als könnte ich etwas dafür.
Rezension I Buchbestellung III01 LYRIKwelt © Marcel Hammerschmitt