Vera Winkelvir von Kirsten Hammann, Yedermann-VerlagKirsten Hammann

aus: Vera Winkelvir
(AUSZUG)

18. Juni: Vera winkelvir. Sie ist da, wenn sie spricht. Sie ist nicht da, wenn sie nicht spricht. spricht. Das heißt nicht, daß sie tot ist, es ist ein wenig schlimmer als der Tod. Das heißt, daß sie unerfunden ist. Daß jemand sie erfunden hat und für ihr Schweigen bestraft, indem er sie ungeschehen macht, bis sie wieder spricht.
Vera spricht gern. Und tötet gern. Pro Mord zahlt man nur 300 Kronen Strafe. Wenn sie zu fliehen versucht, steht die Polizei am Ende der Treppe und wartet. Der junge Beamte breitet seine Arme aus und ergreift sie. Und hält sie fest. Und flüstert, liebkost und tröstet sie. Er streicht ihr übers Haar und sagt, es kostet nur 300 Kronen pro Leiche. Oder 50, so daß es vera wieder tut, an anderen.
Sie erdrosselt sie und verändert ihre Lage, solange sie noch warm sind. Es ist ein Mann und eine Frau, und vera entkleidet sie, so daß es aussieht, als wäre dies der Grund gewesen, du weißt schon, weshalb sie gestorben sind.
Aber nur zwei an diesem Abend. Auf die Dauer wird es zu teuer.

Vera winkelvir. Man sagt von ihr, sie gleiche den Dingen, mit denen sie sich umgibt.
Je mehr Plastik und Lack, je mehr gemusterte Nylons und süße niedliche Kleidchen, desto veramäßiger. Wie das, was vera als erstes in Händen hielt: Eine große rote Gummitasche mit schwarzen Punkten.
– Oi, das ist echt vera winkelvir!

Vera winkelvir. Sie ist da, wenn sie spricht. Auch wenn sie lügt. Es sind alles nur Worte. Vera hat keine Ahnung, wovon sie redet, aber das ist besser als nichts. Sie kann sagen, wie sie heißt, und sie kann ihre Sachen aus der Tasche schütten. Das vera-winkelvirkliche, wie es ihr doch gleicht: Ihre gelben Seifenbehälter aus Plastik und ihre baltischen Lockenwickler, die sich überhaupt nicht eignen, ins Haar gewickelt zu werden. Man kriegt sie nie wieder raus.

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