Wir werden erwartet von Ulla Hahn, 2017, DVAUlla Hahn

Wir werden erwartet
(Leseprobe aus:
Wir werden erwartet, Roman, 2017, DVA)

Lommer jonn, sagt der Großvater und greift in die Luft:

Ist sie schon dick genug zum Säen, dünn genug zum Ernten?

Geht’s an den Rhein, ans Wasser? He, Bertram, ruf ich, lauf

zum Sandkasten, zum Bruder, greif mein Weidenkörbchen

untern Arm, darin Großmutters Hasenbrote, der Oppa wartet

schon! Ganz fest presst der Bruder meine Hand, so fest,

es schmerzt, ich stöhne.

Aufwachen, küsste mich der Freund aus dem Schlaf, dem

Traum, aus den frühen Jahren meiner Kindheit in Dondorf

am Rhein. Unwillig räkelte ich mich aus den schönen Bildern,

um in der nicht minder schönen Gegenwart anzukommen:

in Hugos Armen, die mich seit Jahren umschlossen.

Hilla, rüttelte es an meiner Schulter, Hilla, wach auf. Hast

du schlecht geträumt? Nein, nein, murmelte ich schlaftrunken,

nur vom Oppa, alles gut, zog die Knie an die Brust und

schmiegte mich rücklings in Hugos Brustbauchbogen. Alles

gut.

(...)

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