Hafis

Jetzt, da wie Paradieses Hauch...
(Übertragung: Friedrich von Bodenstedt)

Jetzt, da wie Paradieses Hauch
    die Luft vom Garten mich umfächelt,
Freu ich des Weins mich, da mir auch
    der Liebsten Auge wieder lächelt.

Der ärmste Bettler in der Welt
    steht heute keinem König nach:
Der Wolke Schatten ist sein Zelt,
    der Saatenrain sein Prunkgemach.

Die grüne Flut erzählt vom Fest
    des Frühlings wunderholde Mären –
Ein Tor, wer Sichres fahren läßt,
    um bloß von Hoffnung sich zu nähren.

Erbaue dich am Weine, Freund –
    wirst du der Moderwelt zum Raube,
So backt sie Ziegelsteine, Freund,
    nach deinem Tod aus deinem Staube.

Zähl auf des Feindes Treue nicht:
    nie wird's in deinem Kopfe helle,
Suchst du bei einem Kirchenlicht
    Erleuchtung deiner Klausnerzelle.

Und droh mir nicht mit ewigem Fluch,
    weil ich's ein wenig weit getrieben:
Wer weiß denn, was im Schicksalsbuch
    und auf der Stirn uns steht geschrieben?

Oh, lenkt nicht von Hafisens Grab
    die Schritte: ob sich's auch erwiese,
Daß er voll Sünden sank hinab:
    Er geht doch ein zum Paradiese!

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