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Der letzte Patriarch
(Leseprobe aus: Der letzte Patriarch,
Roman, 2011,
Wagenbach
- Übertragung Isabel Müller).
Sie hieß Rosa, und Mutter konnte ihren Namen nicht aussprechen.
Weil sie so klein und rundlich war, fingen wir an,
sie Butangasflasche zu nennen, obwohl sie gar nicht orange
war. Es reichte, sie zu sehen, um zu begreifen, dass Vater
seine Wahl nicht freiwillig getroffen haben konnte, unmöglich.
Bei den vielen Frauen, die es auf der Welt gab … Es
konnte einfach nicht sein, dass er sich freiwillig für eine so
schrecklich hässliche entschieden hatte. Die Haut in ihrem
Gesicht hatte rosafarbene Beulen, so als habe sie in ihrem
Leben ziemlich viel durchgemacht, aber es machte sie auch
hässlich. Sie war fett, und das nicht nur körperlich, trotzdem
roch sie nur nach Alkohol und Zigaretten.
Mutter sagte: Nun geh schon, er will es so, und mir tat
es leid, sie allein zu lassen, auch wenn sie jetzt schon eine
Waschmaschine hatte. Der Wagen gefiel uns, es war, als
würde man in ein Karussell steigen, wenn man in den hinteren
Teil des Citroën kletterte, wo es keine Sitze gab, und
sich hinter dieser Frau, die nun schon zu unserem Leben
gehörte, hin und her schaukeln ließ. Ich rang mit mir, Tag
um Tag, und mit jedem Tag wurde es schwieriger. Auf der
einen Seite die Autofahrten, das Eis in den Cafés überall
in der Gegend und nicht zuletzt das Spielzeug, das sie uns
schenkte. Auf der anderen Seite Mutter, die allein blieb und
darauf wartete, dass wir, mal später, mal früher, wieder nach
Hause kämen. Eigentlich stimmt es nicht, dass ich mit mir
rang. Denn er sagte einfach, gehen wir, und ich war ja seine
Lieblingstochter und durfte ihn nicht verärgern. Gehen
wir, komm, du wirst schon sehen, dass du dich mit der Zeit
daran gewöhnst.
Mutter hatte für all das nur eine Erklärung. Sie sagte, dass
Vater in der Nacht, bevor er die Butangasflasche kennengelernt
hatte, bei seinem Cousin eingeladen gewesen war und
dass dessen Frau, die mit Vorliebe Ehen zerstörte, ihm sicher
etwas ins Essen getan hatte.
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