Aus dem Laub fallen Worte von Irena Habalik, 2014, Ed. IseleIrena Habalik

Schlaflos
(Leseprobe aus: “Aus dem Laub fallen Worte”, Collection Montagnola, Ed. Klaus Isele, 2014).

Es bleibt nur die Schafe zu zählen und zu warten.

Es heißt immer; warten. Auf das Wachstum, den Wechsel,

die Worte, die passen. Der Schlaf kommt nicht.

Der Tag irrt in den Hirngängen, der Tag matt,

wie die Schuhe spuckepoliert, wortlos,

wer redet da noch, die Gesichter mit den Blicken zu

Boden als läge dort ein Stückchen Glück,

auf den Bäumen wunde Stellen, mühsam wird das

Schattenflattern, auf dem Plakat glänzen die Buchstaben,

du liest; alles in Eier, das Jahrhundert hinterlässt

keinen Nachtrag, eine Hand winkt dir zu, Trick Track,

eine andere erhebt sich mächtig, du wendest dich ab,

nimmst dich selbst an die Hand und die Stimme,

die dir antwortet, ist deine eigene.

Die Schafe auf der Weide blöken mir in die Stirne,

du Nachtwächter, schneide dir ein Liedchen

aus der Luft. Was für ein Liedchen?

Aber die Nacht gibt auf. Ein Lichtstreifen auf

dem Fenstersims und oben links ein Baukran;

majestätisch schützend einem Riesenvogel gleich,

ein Baukran im satten Gelb wie Mais Melonen: ein gelber

Tag schickt sich an.

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