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»Luis, ich sollte
schweigen und nichts sagen«, schreibt Ella. »Ich habe vor dem Mißverständnis
Angst, das den Worten folgt. Doch mir bleiben nur Worte, um auszudrücken, was
ich seit der Nacht herunterzuschlucken versuche, in der Wellen unsere Füße
umschmeichelten. Die ganze Nacht habe ich geschwiegen. Seit der einsetzenden
Morgendämmerung frage ich mich warum. Mein Körper sehnte sich danach, Ihnen für
einen Augenblick nahe zu sein. Den Duft zu riechen, der Sie einhüllt. Was ich
jetzt sage, ist nicht wahr. Es geht nie nur um einen Augenblick, sondern immer
um alles. Um den Körper, die Seele und mit ihr um die Worte. Sicherlich wäre es
einfacher, würde der Kopf sich nicht einmischen. Ich weiß nicht, was ich gesagt
hätte, wenn ich gesprochen hätte, werde es nie wissen. Das Schweigen richtet
sich nicht gegen Sie. Es ist für Sie. Der Angst ist das Schweigen erwachsen.
Meiner Angst. Sie in Gegenden zu geleiten, in denen Sie nichts zu suchen haben.
Sie sind jung, Luis. So jung. Ich denke es immer wieder. Ihr lebhafter Blick
kann von einer Sekunde auf die andere geknickt sein. Sie sind zerbrechlich, von
einer unfaßbaren gläsernen Schönheit, die Sie mit größter Sorgfalt verstecken.
Ihr Gesicht gefällt mir, wenn der Schmerz in seinen Augen aufsteigt, sich
ausbreitet, es kleidet und Sie ihn mit einer Handbewegung wegwischen wollen.
Dann grübe ich am liebsten in Ihnen herum. Gleichzeitig verbietet sich der
Drang. Ich sage mir, für Sie birgt das Leben andere Schätze. Was vor Ihnen
liegt, unterscheidet sich zu sehr davon, was ich hinter mir gelassen habe. Ich
weiß noch nicht, ob die Offenheit für die Welt, die Sie in Ihrem Gesicht tragen,
in Ihnen wurzelt oder ob sie aus Höflichkeit mit Ihren Worten verflochten ist.
Im Grunde denke ich, daß sie Ihnen eigen ist. Ich glaube, Ihre Offenheit rührt
mich am meisten. Ihre Aufmerksamkeit. Ihr vor nichts zurückschreckender Blick.
Das pure Verlangen, das wie ein Schritt Teil des Gehens ist. Eindeutigkeit.
Bewegung. Tatsache.
Wenn ich in der Nacht am See zu Ihnen gesprochen hätte, hätte ich Sie
aufgefordert zu handeln. Ich hätte gefragt, seit wann etwas zwischen uns ist und
uns lockt. Ich hätte wissen wollen, ob Sie bereit wären, augenblicklich alles
stehen- und liegenzulassen. Vielleicht war zu irgendeinem Zeitpunkt die
notwendige Kraft vorhanden, eine Entscheidung zu treffen. Wir haben beide an
verschiedenen Dunkelheitsgraden der Nacht gezaudert. Allzu gern wäre ich Ihnen
nahe gewesen, um Ihren Körper zu erforschen und die immer wiederkehrenden
Gedanken zu töten, die jetzt mein Hirn überfluten. Ich hätte so viel wie möglich
von Ihnen in Erfahrung bringen wollen, um zu ermessen, in welchen Gegenden Sie
atmen. Ich habe es nicht getan, weil ich zweifle, mich fürchte, zögere. Das
Verlangen errichtet sich auf Trümmern. Es ist unmöglich, auf schwindendem Boden
aufrecht stehen zu bleiben. Er würde uns verschlingen. Ich hätte gern meine
Finger in Ihre Haut gebohrt. Meine Hände haben mich vor Ihrem jungen offenen
Blick zurückgehalten. Ich hatte Angst, den Glanz Ihrer Augen zu trüben, Ihren
Atem zu vereisen. Diese Furcht hat sich meiner ungeachtet aufgedrängt.
Ich will Ihnen sagen, daß ich zutiefst davon berührt bin, was in der Nacht
geschehen ist. Hätte ich keine Bedenken, die mich daran hinderten, zu handeln,
dann würde ich es tun, ich weiß es. Auch wenn sie dies jetzt wissen, lassen Sie
sich zugleich nicht von den Worten blenden, die ich in der Nacht hätte sagen
können und die ich Ihnen jetzt sage. Sie sind für Sie. Wenn ich an Sie denke,
erschüttert mich die Erfahrung noch immer. Stehen Sie neben mir, erhasche ich
Ihren Duft, als wäre er eine Welle an einem Sonntagmorgen, die sich auf der
glatten Meeresoberfläche verliert und der meine Augen folgen.«
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