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Der Russe ist einer, der Birken liebt
I.
Ich wartete am Ben-Gurion-Flughafen unter bunten
Luftballons, die an der Decke klebten. Ich las die Anzeigetafel,
aß ein Sandwich, beobachtete Menschen, die sich ratlos
umsahen, Soldaten, russische Großmütter, orthodoxe
Juden und arabische Großfamilien. An der Schleuse zur
Ankunftshalle war eine Mesusa angebracht, viele der Ankommenden
küssten sie, indem sie die Fingerspitzen ihrer
rechten Hand an die Mesusa führten und dann zum Mund.
In den meisten Gesichtern waren Freude und große Erwartungen
zu lesen. Immer wieder liefen zwei Menschen aufeinander
zu, umarmten sich, ließen voneinander ab, musterten
das Gesicht des anderen, als versuchten sie, die verlorene
Zeit wettzumachen. Neben mir fiel ein Ultraorthodoxer im
schwarzen Anzug und mit einem breitkrempigen Hut auf
die Knie und küsste den Boden, eine junge Frau, die einen
kleinen Jungen im Arm hielt, wurde von einem älteren
Mann abgeholt, der Junge schrie und trat um sich, als dieser
ihn berühren wollte. Eine ältere Frau redete energisch auf
ihren Enkel ein, in der Flughafenhalle vermischten sich die
Sprachmelodien zu einem Klangteppich: Russisch, Hebräisch,
Englisch, Italienisch und Arabisch. Über die Lautsprecher
mahnte eine tiefe Frauenstimme immer wieder, das
Gepäck nicht aus den Augen zu lassen, und fügte hinzu:
»It’s prohibited to carry weapons in all the terminal halls.«
Mein Computer war vor einer Viertelstunde erschossen
worden, und ich wartete nun auf die Bestätigungsformulare,
die mich dazu berechtigen würden, einen Antrag auf
eine Kompensationszahlung seitens des Staates Israel zu
stellen.
Es hatte mit der Passkontrolle angefangen. Ich wurde nach
meinen Namen gefragt.
»Maria Kogan.«
»Ausgerechnet Maria.«
Ich zuckte mit den Schultern und sagte: »Der Name
hatte meiner Mutter gefallen. Mascha.«
»Was für eine Mascha?«
»Mein Kosename.«
Er machte einen Vermerk in eines seiner Formulare und
studierte eingehend mein Arbeitsvisum.
Weshalb ich gekommen sei.
»Um zu trauern.«
Ein weiterer Vermerk.
»Wie lange wollen Sie bleiben?«
»So lange wie möglich.«
»Ist es wirklich Ihr Computer?« Er betrachtete missmutig
die Aufkleber mit den arabischen Schriftzeichen auf
meiner Tastatur.
»Ja.«
»Sie interessieren sich wohl für unsere Nachbarn? Darf
ich mit Ihrem Computer einen kleinen Test machen?«,
sagte er grinsend und ging mit meinem Computer fort.
(...)
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