Tatjana Gregoritsch

Zuversicht                                                                  GGrass
„Heute ´keine Angst´, morgen gut Freund“ (Abbas Al Ahmed, Wernberg 2015)

Zwei Kriege, die alles mit sich rissen

und Hitlers grausamer Wahn

leerten den Kontinent, mordeten

Millionen, die anderen

wanderten nach Amerika aus.

 

Die wenigen Übriggebliebenen

legten Stein auf Stein,

bauten das Land wieder auf,

Dresden erstrahlt heute neu

- dem Stephansdom sieht man

die Trümmer nicht an.

Über Vergangenes spricht man nicht.

Der Schrecken wütet unter der Oberfläche.

Nach außen wahrt man das Gesicht.

 

Niemand wollte Kinder gebären,

die ein neuer Tyrann

 in seinen Krieg zerren könnte.

Männer flüchteten in Arbeitssucht.

Frauen entdeckten eigenes Leben.

Die Jungen warfen den Alten das Stummsein vor,

stürmten gegen Wände aus Schweigen.

 

Siebzig Jahre vergingen, wir

arbeiten noch immer Vergangenheit ab.

Wir trauen niemandem, wir kaufen.

Freude haben wir durch Spaß verdrängt,

Mitleid durch reality-shows, Glaube wurde privatisiert.

 

Du kamst, unter Tausenden.

Du trägst Dein schweres Herz

in unsere schale Trauer.

Auf verdrängte Wunden stieß es.

Doch wir wußten, was zu tun ist,

aufgetragen hatte uns niemand  etwas.

Unser gebrochenes christliches Herz antwortete.

 „Train of hope – Westbahnhof“ streckte Dir Hände entgegen.

Dein Schmerz ist hellrot, unserer dunkel von Jahren.

Fremder, mein Freund – ich darf Dich so nennen -

hast verkrusteten Schorf aufgedeckt.

Du, fremdes Gegenüber aus dem Süden,

im kalten Land angekommen.

Deine Sprache verstehe ich nicht; sie gleicht

den Rufen der schwarzen Vögel, die  

über unsere Felder kreisen.

Du kamst blass und bloß aller Habe,

Deine Füße sind rissig von Meer und hartem Gestein.

Dein Herz, Deine Würde, Deinen Stolz bringst Du mit.

Viele machen Front, fürchten Dich.

Dir blieb keine Wahl: Pest, Cholera oder Daesh?

 

Aus eigenem Leid biete ich Dir

Meine Freundschaft an.

Du brauchst Zeit.

Learn to get to know our system,

mourne and grieve,

shout at your God,

however you call him – er ist auch der unsere,

sagte vor Jahren der gütige Kardinal - und

streckte die Hand aus.

Hat nur ein grausames Schicksal

Dich in eine Blutlache geworfen,

mich auf grüne Wiesen?

Etwas Sicherheit kann ich Dir bieten.

No sniper, kein Scharfschütze wartet im Haus gegenüber.

Dein Krieg findet nächtens noch statt.

Schrei Dein Leid heraus,

hadere mit Deinem Gott,

Verfluche Dein Geschick,

weine Deine Tränen, betrauere Deine Toten, Dein Land.

 

Nach den gewalttätigen Träumen, Schreien, Zorn

hab Erbarmen mit Dir selbst.

Ich sehe Dich.

Dein Blick wagt:

Unwiderstehliche Zuversicht.

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