|
|
Endstation Ritz
(Leseprobe aus: Femme du monde/Endstation Ritz, Roman,
2001/2003/2008, Haymon
- Übertragung Ines Schütz).
Anschließend lässt sie ihr Bad
ein. Alles ist für sie
erträglich – der dunkelste Himmel, die erdrückendste
Stimmung – vorausgesetzt, sie hat eine Badewanne
zur Verfügung.
Sich zu duschen hingegen würde ihre Kräfte
übersteigen.
Madame erinnert sich an viele Geschichten mit
Badewannen. Einmal, in Usbekistan, musste sie eine
vom Ende der Welt kommen lassen, aus der fernen
Hauptstadt Taschkent, und die Wanne musste durch
die endlose Steppe transportiert werden.
Ein anderes Mal hatten ihre Freunde, nachdem
es nach einem Gewitter in der Villa keinen Strom
gab, Holz verbrannt, um ihr Badewasser zu erhitzen,
und dann das wunderbare Behältnis mit großen
Kerzen beleuchtet.
Madame wird es nicht müde, diese Geschichten
zu erzählen. Meist ist sie die Erste, die darüber lacht.
Manchmal die Einzige.
Rezension I Buchbestellung I home III09 LYRIKwelt © Haymon Verlag