Du erkennst mich nicht
Du erkennst mich nicht, du wiederholst dich oft,
du hast deinen Stuhlgang nicht im Griff,
du redest viel, du redest wirr und weisst nicht wer du bist.
ich kenne dich und erkenne dich nicht und weiss doch wer du bist.
Es riecht im Raum, die Hände steiff, der Blick starr
abgewandt
Der Blick der einst so hell und wach auch meinen Blick dann fand,
ist nun gebrochen, liegt hier brach, ist irgendwo zugegen, nur nicht hier, im
Hier und Jetzt,
sieht anderen Dingen entgegen.
Haut aus Papier, Landschaften aus Adern drauf, auch
schuppig hier und dort,
reagiert auf viel, braucht meine Hand, Bedarf Behutsamkeit,
Deine Hand eher einer Kralle gleich, zuckt in meiner, Finger geben nach, suchen
nach mir.
Die Stimme einst so hell und klar, nur noch ein heiseres
Kratzen, hört man zu, hört man genau hin,
hört man ihn noch den lieben Dialekt:
Mammala und Pappala, ploppern ma und kloppern ma bis aufs
nächschte mol, bis eia Barja die
Sonne uffgaht. Nun hot der Moa eim Monde seinen Dienscht geton.
Schlaf viel tausend mal geliebte Mutter, ich weile noch
und bleibe noch und schaue noch ein
Weilchen dir beim Schlafen zu und müsst ich mich entscheiden, ich wüsst nicht wo
ich lieber wär,
als bei dir auf deiner letzten Reise.
Reise, wie damals als von Maria Schnee der Pfarrer Euch
mit einem Tuch gewunken,
ein Päckchen du in einer Hand, dein Herz im Land versunken.
Von den Bergen her ein letzter Gruss, du weisst schon was ich meine,
so schwer fortzugehn, wohin denn auch, getrieben in die Weite und
die Wipfel um Euch herum sagten immerzu Auf Wiedersehn.
Du erkennst mich nicht und kennst mich doch und weisst
doch wer ich bin,
du weisst es besser als irgendwer sonst, du kannst die Engel fragen,
Jesus, Maria, alle Heiligen stehn dir bei, Mammala und Pappala beantworten deine
Fragen.
Du kennst mich nicht und kennst mich doch und weisst doch
wer ich bin.
Du weisst es besser als irgendwer sonst, weisst bloss nicht meinen Namen.
(November 2011)
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