Andrej Glusgold

Böhmische Dörfer

Hier ist die Landschaft, in der du unbedingt sein möchtest.
Glattrasierte Wangen der Hügel wechseln sich ab
mit wildem Gestrüpp, umgefallenen Bäumen zwischen
denen Rehe mit weißen Pampershintern hervorspringen.

Die Vögel entfesseln ein irres Konzert angesichts 
deines Kommens, könntest du denken, aber es ist
wegen des Frühlings und erste Hummeln brüten
über dem Geheimnis der Kirschbaumknospen.

Alles ist in einer großzügigen Geste in die Landschaft geworfen,
die holprigen Wege, verrostete Erntemaschinen und hier und da 
eine Burgruine, deren warzige Mauern einst den Weltmittelpunkt
bedeuteten für die Bauern, die in Erdfarben getarnt
hinter dem Pflug gingen.

In den Schänken sitzen die Männer gebückt um die Tische, 
als wollten sie ihre Bäuche vor den Blicken erlegten Wilds
an den Wänden verstecken. Die Dörfer – ein Gewirr 
aus Lattenzäunen, zerfallenden Scheunen, Obstgärten mit Hunden
und Kindern in Gummistiefeln, sehen noch so aus, 

wie man sich das Landleben vorstellt, voll unbekümmerten Drecks 
und verwahrloster Ecken, an denen sich das Auge vor zuviel 
gelungener Geometrie ausruhen kann. Niemand beschwert sich 
über die Lagerfeuer. Der Geruch verbrannter Äste fährt 
als blinder Passagier bis zur Grenze mit.

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