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Die Safranhändlerin
(Leseprobe aus:
Die Safranhändlerin,
Roman, 1996, List).
(...)
Benedetto stieß mit dem Pantoffel an einen
Sack. Er beugte sich vor und
hielt die Öllampe über die Warenaufschrift: Alaun aus Phokäa. Sein
zerknittertes Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. Der Junge führte den
Alaunhandel also weiter. Zumindest das hatte er gelernt. Alaun würden die
Leute kaufen, solange sie buntgefärbte Stoffe trugen. Wer eine Hand im
Alaungeschäft hatte, konnte mit der anderen etwas riskieren.
Aber wo steckte der Safran?
Der alte Mann hielt die Lampe hoch und sah sich um. Die Lagerhalle hatte
zwei Ausgänge. Ein großes, gewölbtes Tor zum Hafen, wo die beiden
familieneigenen Galeeren beladen wurden, und eine kleinere mit Fresken
geschmückte Tür, die zum Arkadengang an der Straße führte. Die Waren für
Koblenz sollten auf dem Landweg transportiert werden, über Mailand den Sankt
Gotthard hinauf und dann weiter nach Basel. Wenn Lorenzo also ein Restchen
Verstand besaß, hatte er den Safran in der Nähe des Arkadentores verstaut.
(...)
Rezension I Buchbestellung I home IV09 LYRIKwelt © H.G./List Verlag