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VII
(Leseprobe aus: L’espai desert [Der öde Raum], Abschnitt VII/Die Spiegel. Der öde Raum,
Gedichte, 2sprachig, 2007,
Edition Lyrk Kabinett bei Hanser -
Übertragung Àxel Sanjosé).
Mit Spitzhacke und Schaufel rissen wir die Trennwand nieder.
In eine Kiepe legen wir den Schutt.
Schau doch, auf diesem Foto sah er aus, als hätte
er hellere Augen.
Was für ein Meerwasserlicht
schlägt an die Fensterscheiben? Der Himmel hat die Farbe
gewechselt, und dieses Blau, das zu Kupfer wird,
lässt das Fenster für Augenblicke im Dunkeln,
für die Zeitspanne, ein lila Taschentuch vom Boden
aufzuheben, die Zeitspanne, unser anderes Gesicht zu sehen,
das unser Gesicht auslöscht, die mit Pressluft
aufgeblasene Gummimaske, straff
und bleich, die mit einem dunklen Knall zerplatzt
in der Leere des Zimmers.
Wir häuften den Putz
und die Schuttbrocken, die mottenzerfressenen Überzüge der Sofas,
die Kopfteile der Mahagonibetten,
die Sessel mit rissigen und wurmstichigen Armlehnen.
Die weiße Staubwolke, die den ganzen Raum füllt,
verstopft uns den Rachen, und der Lärm
der Schlagbohrer, welche die Leere zerschießen, macht uns taub.
Ja, es war, als wir nach Paris fuhren. Ich trug
das blaue Sakko.
Die Menschen schauen
in der Nacht auf die Sichel des Sternenzelts aus ungewissem Gold,
auf das Schweigen der Hörner, auf das dunkle Atmen des Stieres,
den Stich des Krebses, die Verletzungen der Gestirne.
Welcher höchste und schreckliche Ackersmann, welche Felder,
vom Brand verwüstet, mit einer Saat aus Salz,
welche vulkanische Leere aus Oxyd und Silizium,
vom Wind geschliffen, welcher Metallstaub?
Welcher mürrische Ackersmann, zyklopenhaft an Werkzeugen?
Welcher nächtliche Baumstamm, Gespann von blinden Buzentauren,
die brüllen und ein Blumenfirmament zertreten?
Die Menschen sehen in der Welle der Finsternis
den gespannten Bogen des Schützen.
Jagdpartien der Nacht, oh, Jagdpartien des Himmels,
irr von Pfeilen und Rosen!
Das Zimmer, schwebend,
wie ein zersprungener Tresor, mit halb eingestürzten
Mauern, ausgeleert, schräggestellt wie ein Grundriss,
in einer stummen Explosion, einem Nicht-Getöse,
die große Kälte der Schatten im Herbsthimmel.
Bote der Nebel mit roter Kapuze,
ein Dunkler mit der Axt des Holzfällers der Zeit.
Jäger, der du das Hunderudel der Wälder ankettest,
du, Herr der Leinen, der Maulkörbe, Herr des Blitzes, der die Steineichen versengt –
hast du etwa kein Gesicht? Wie heißt du?
Im Spiegel
der Schranktür, zwischen Rosa und Weiß, bildet sich und zergeht wieder
ein Wolkenfetzen im violetten Himmel.
Dieser Mann hat in dem verlassenen Zimmer
den Wohnraum des Windes verstaut, und an der stummen Garderobe
die Abwesenheit eines Kleides. Dieser Mann kennt,
jetzt, da die Papierfetzen lautlos
von der Wand fallen, aufgebend im dunkelroten Licht des Nachmittags,
den Namen dieser verlorenen Farben im Spiegel.
Dieser Mann kennt die grünen Abwandlungen
der vom Weiß besessenen Blätter der Silberpappel.
Glatt – der Himmel ist ein Gewässer, Spiegelbild eines Spiegelbilds.
Er hat die Farbe einer verwelkten weißen Rose.
Die Farbe Weiß: eine Lilie aus Licht ohne Farbe
in einem Erblinden aus weißem Schaum.
Das Wasser hat nicht mehr das diamantene Blau des Abends,
die Härte des Himmels an einem purpurnen Mittag.
Ein gelblicher Mond und die Schneeflocke einer Wolke:
Meine Augen sehen Flusen von Weiß in einem Spiegel.
Auf Deck sprach jener Mann mit niemandem.
Er trug in seinem Blick ein Zimmer,
das dem Abriss ausgeliefert war und dem Wind eines trüben Abends.
Jener Mann sah weder die moosbedeckten Aussichtstürme
noch den Weg der Seeräuber unter dem Schein des Leuchtturms.
Er sah das blaue Gerippe des Überseedampfers,
die endgültige Versöhnung von Blau und Schwarz,
die geschwärzte Herrschaft des Eisenschrotts.
In der Abendstunde, entlang der Perlenküste fahrend,
sah er den Schatten eines leviatanischen Gottes.
Jener Mann kannte seine Bestimmung: das Zimmer
mit Bauschutt, die aus Helligkeiten geformte Nacktheit eines Spiegels.
Rezension I Buchbestellung I home III08 LYRIKwelt © A.Sj./Hanser