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DIE BLACK FLAG IM TAIFUN
(Diese Erzählung ist frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit mit
lebenden oder toten Personen unmöglich.)
Der Navigator wollte was Geschäftliches erledigen, ging an Land. Das Schiff war ausgelaufen als er zum Hafen zurückkam...
Dichterjesuit Max Tellyrius und Oberschnorrer Mahmud Zackling saßen am Poetentisch. Max zahlte und Mahmud soff und rauchte, alles war wie immer.
„Ich will den rechtsradikalen Tellyrius nicht mehr sehen!“ erregte sich Jola Vitowsky, die polnische Gräfin.
„Na, da er dich eigenhändig als katholische Madonna mumifizieren wollte? Er stammt aus Hitlers Heimat, seine Mutter betet täglich vom Rosenkranz!“
„Ah ja! Und kommen da nur Naziembryos raus? Mich wollte er zur Verlobung ins verblichene Hochzeitskleid seiner Mutter zwängen!“ beschwerte sich Jola.
„Ich hab ihm den Gefallen getan! Ich tat es!“ verkündete Maria stolz. „Aus Liebe! Ich lieb ihn wirklich!“
„Ich glaub es dir!“ meldete sich Max an.
„Du wolltest zwei junge Musliminnen des Landes verweisen?“ preschte Mahmud gegen ihn vor. „Von der Parkbank hast du sie immerhin vertrieben!“
Tellyrius’ Verlobte Maria bestätigte: „Die waren ziemlich entsetzt!“
Tsin Gun: „Wo du sie hinschicken willst, Max, werden Teenager mitten in den Städten an Kränen gehenkt, nur weil sie Sex miteinander haben! Das ist etwa wie bei uns während der Inquisition auf die Scheiterhaufen!“
Tellyrius ging sofort in Kampfpose: „Du bist ein Sexist und Pornograf! Und ein Luziferianer!“ bellte der Jesuit. „Aber ich bin der Erzengel Michael mit dem Schwert!“
„Hör auf mit den Schlagwörtern! Das machen alle Idioten!“
Sie hatten Zackling heute Morgen aus einem Lokal ausgelöst. Er habe gesoffen ohne Geld und dann Max angerufen. Er sagte, er würde Mittag die 50 Euro zurückbringen. Was er üblicherweise nicht tat.
Mahmud träumte literarisch vom Bankraub und klaute vital Weinflaschen in Supermärkten. Er schimpfte seinen Gönner Max: „Du Arsch, warum hast du mir keine Deckung gegeben? Ich hätt‘ wegen dir einfahren können!“
Tellyrius’ Pupillen blitzten: „Rühr mich noch mal an und ich stich dir die Augen aus!“ Der Dichter zückte den Schlüsselbund. „Bin ich ein Dieb?“ Er hielt seinem Kontrahenten den Spitz eines Zylinderschlüssels vor Augen.
Die Sache ging diesmal ohne Blut und Polizei aus.
Mahmud studierte in seinem Kellerloch die Bibel, Hitlers ‚Mein Kampf’ und die Historien des Satans. Um der Welt seinen Geist aufzudrücken braucht man seine individuelle Mixtur.
„Ich werd reich! Ich krieg den Büchnerpreis!“ kreischte Tellyrius noch ohne Zeile. „Ich werd beinhart schreiben! Niemand wird verschont!“
Die geballte Faust krachte auf den Tisch.
„Ich bin der harte Hugo!!“ war Tsin Guns erster Leitspruch. Sein zweiter: „Der härteste Hugo aller Zeiten!“ Der dritte: “Der größte Pisser auf dem Globus!“
Der einen Vertrauten bat auf sein Familienvermögen aufzupassen. Somit verschwanden: Werner Geiger: Selbstbildnis des Malers; Linda Bilda, Porträt des verkifften Dichterkönigs GG und Bruders des ersteren.
Freunde sind gefährlicher als Feinde weil sie zu viel über einen wissen. Die Erkenntnis kommt gewöhnlich zu spät.
„Wer ist der größte Dichter im Land?“ prahlte Max Tellyrius, den Falkenblick um sich werfend.
Postwendend spendete seine neben ihm die nackten Waden sonnende Gefährtin den eingeforderten Beifall: „Du bist es, mein tapferes Poetenherz! Du – du – nur du allein –!“ trällerte sie. Sie beugte sich rüber und küsste ihm zärtlich die Bartstoppeln.
Zackling checkte das nächste Viertel: „Du, wer denn sonst, hm!?“
Maria sang mit schöner, krächzender Stimme: „Summer – time – and – the weather – is easy –!“ Gänsehaut oder Mitsingen, mehr war nicht drin.
Sie riss die Bluse hoch und zeigte den im grauen BH verhafteten Megabusen her. Die Sonne brannte über den Dächern des Zifferplatzes auf die Wirtshausplastikstühle und die Sitzenden. Maria schwitzte und blutete Tina Turner Soul: „Nut bush city limits –!“
„Ziehen Sie sich die Bluse wieder drüber!“ ermahnte sie die herbeieilende Serviererin, kühl aber streng.
„Wir können Tsin Gun abschreiben!“ bestärkte der arabische Gnom den Poeten. „Wir haben jetzt die OVERFLYER. „Und Emilio Grosso hat uns!“
Der eitle Grosso nahm alle Abtrünnigen der BLACK FLAG in seine Dienste um das Renommee seiner grellen Fregatte zu heben.
„Zackling eine Ratte? Wär eine Beleidigung für alle Ratten!“ meinte Tsin Gun zu Jola Vitowsky.
Diese verabscheute Tellyrius nach gescheiterter Verlobung. Aber in der kleinen Großstadt umgeht man sich schwer.
„Ich bin Himmler!“ posaunte Mahmud Zackling vom Wein aufgeputscht in einem Musiklokal. Propaganda für industrielle Menschenvernichtung durch Mutation zu ihrem vortrefflichsten Einrichter? Die Isras würden ihm die Haut abziehen. Stieg ihm als halber Araber ein perverser Märtyrertick ins Gehirn?
Verbissen studierte er Werke von und über Hitler.
„Du bist Himmler? Du bist ein Idiot!“ kommentierte der Sänger Kristian Schlagbolzer.
„Er glaubt manchmal Göbbels zu sein!“ wies die Blüten ablassende Vollschlanke auf ihren Freund.
„Und beide sind Max und Moritz!“ meinte Schlagbolzer. „Deren Reste werden von den Hühnern aufgepickt, haha!“
Ersterer wähnte sich Hausbesitzer in der Eiermark über seine Frau. Das nachdem er seine Gemeindewohnung verludert hatte. Tellyrius hatte die Mietzahlungen verweigert und sein Geld in Wirtshäusern und Taxis verschlissen. Seine immer wieder tobende Gefährtin sammelte für beide fleißig Lokalverbote.
„Ich bin nicht der Göbbels!“ verwehrte sich Tellyrius. „Aber die Rhetorik hatte der drauf! Von daher kann man bei ihm was lernen!“
„Wärst gern sein Epigone?“ feixte Kristian, ein fescher Zapfen. „In Jammerfurt sind seine Jünger dauerpräsent. Ein Nazibunker wird zum Museum für das stockbesoffen verunglückte Führerlandesidol umgearbeitet. Er starb übrigens dort wo er die Ortstafel auf Slowenisch über Jahre verhindert hat!“
„Ich bin nicht sein Fan! Ich hab ein Gedicht gegen ihn geschrieben!“ polterte Max. „Worin ich ihn pathologisiert habe! Tsin Gun hat den Abdruck drei Jahre lang nicht gewagt!“
„Das lies im Nazibunker-Museum zu Ehren ihres letzten Landesfürsten vor!“
„Die steinigen mich!“ rutschte es ihm raus.
Tellyrius hatte seinerzeit im Koran geschmökert.
„Die machen keine Scharia! Das sind Nazis, keine Ayatollas!“
„Ah ja? Dann vergasen sie mich? Ich hab meinen Dichtertisch hier! Ich brauch keine anderen Litaneien als die meinigen!“
Schnorrer Zackling stemmte sein Glas mit Blick auf Max Tellyrius. „Ein Viertel?“
„Bestell halt! Ich hab meine Werke verkauft! Und die von anderen!“ Der Verkäufer und Versäufer grinste seine Tischnachbarn überlegen an. „Ich bin der Chef hier!“
Nachher schauten sie ob auf der vor Anker liegenden OVERFLYER was zu holen war. Bald tauchte der Reeder auf. „Habt ihr euch gut amüsiert? Habt ihr euren Ex-Chef getroffen?“
„Der hier ist mein Chef!“ wies die Blüten ablassende Vollschlanke auf ihren Freund.
Hoffentlich springt das Teufelsduo nicht wieder ab. Wer würde dann seine Güter verkaufen? Beide waren eifrige Lokalgänger und Max Tellyrius ein As im Schriftenverkaufen.
„Mach dir keine Sorgen, Grosso! Wir bleiben an Bord! Wir sind noch nicht fertig mit Interland!“
Sie verließen das Schiff als es dort nichts mehr zu saufen gab und besuchten die unbewachte BLACK FLAG und legten sich dort an Deck in die Liegestühle.
Der Dichter blinzelte in die Abendsonne und bekam die mittägliche Begegnung mit Tsin Gun vor seinen Gehirnschleier. Der dann zu seiner serbischen Geliebten ging.
„Wenn der Kapitän versagt übernimmt der 1. Offizier das Kommando!“ gab sich Großmaul Tellyrius kampfbereit.
„Lobenswert, Max!“ hatte Tsin Gun versetzt. „Was für ein Schiff übernimmst du? Den Fliegenden Holländer? Ein Geisterschiff?“
„Wer ist der Chef?“ donnerte Max mit Stechblick auf seine Maria.
„Du bist der Chef!“ antwortete diese.
„Dann machen wir das Schiff klar! Ich bin immer noch der Obermaat!“
„Wir müssen einige Matrosen anrufen! Barclay Hirnriss! Mary Power, die Navigatorin! Hat jemand Saft auf dem Handy?“
Der Dichter und Maat Max Tellyrius frohlockte: „Wir machen eine Kreuzfahrt, das geben wir uns!“
Barclay Hirnriss kam und sie brachten das Schiff tatsächlich in Gang aus dem Hafen und stachen in See.
Waren sie in einen Taifun geraten und dabei ohne Navigator und fähigen Steuermann umgekommen? Sicherlich hatten sich umgeklammert in stockfinsterer Nacht, Wangen an Wangen und Münder an Ohren und Hälsen, vereint dem Sturm trotzend.
Marias Stimme war so nah an Maxens, im Rasen des Orkans auf ihn zukommend: „Werd ich meinen Sohn jemals wieder sehen?“ flehte sie eindringlich und ihre Stimme verschwand zugleich hinter der Gewalt des Sturmes.
„Wisst ihr wo die Leute stecken?“ setzte Mahmud noch hörbar nach.
Niemand wusste es. Sie hatten sich auf der Brücke aufgehalten als die volle Stärke des Sturmes das Schiff traf.
Wurde die Schiffsbesatzung von Haien gefressen?
Dann aber meldete sich eine somalische Piratengang unter Mitarbeit des berüchtigten Seeterroristen Schwarzer Balken mit einer bizarren Lösegeldforderung.
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