Helmut Ganze

König Laurins Mantel

Kommst Fremder Du an jenen Ort,
wo Mauerunlust einstmals den Palast uns kürte,
so findest Du heut` nicht mehr einen Stein
von dem, was ehedem beim Volke zur Verklärung  führte.

Wo spinnenfingergleich sich eben
noch letzte Treppentürme in den nackten Himmel trieben,
ist nun von diesem Traum aus Stahl und Glas
und aus Beton nur öde Wüstenei geblieben.

Nur dann, wenn Du kein Fremder bist
und gehst am neuerbauten Schloss vorbei an irgend einem spät`ren Morgen,
nimmst Du phantomgleich des Palastes Silhouette wahr,
durch König Laurins Mantel schemenhaft verborgen.

Rezension I Buchbestellung I home III09 LYRIKwelt © Helmut Ganze