durch und durch
Müllheim / Thur in drei Kapiteln
(Leseprobe aus: durch und durch,
Müllheim/Thur in drei Kapiteln, 2004, Edition
Korrespondenzen)
Aber das Bedeutende und worüber das Dorf nicht hinwegkommt, ist die Straße, eine alte Straße, die durch die Ortschaft führt, von Westen nach Osten, von Osten nach Westen, die halbe Welt fährt hier durch, Lastwagen, Lieferwagen, landwirtschaftliche Maschinen, Tiertransporter, Panzer, Reisebusse, Postbusse, und dass jemand einmal anhält, fällt kaum ins Gewicht. Sie halten so gut wie nie an, das ist kennzeichnend für einen Durchfahrtsort, unentwegt ziehen sie zwischen dem Platz mit der Linde und unserem Haus vorbei. Zwischendurch gibt es Pausen, zwei oder sogar drei ruhige Minuten, dann rollen drei Wagen hintereinander über die Straße, oder es sind acht, schnell kommen wieder zehn in die eine, zwölf in die andere Richtung, nach einer halbminütigen Pause dann sieben nach Osten und fünf nach Westen, manche können ihren Vorsprung ausbauen, den Hintermann um einige Meter abhängen, während ich zuschaue, und sie hören nicht auf zu fahren, mal schneller, mal langsamer, was auch den Ton verändert. Der Verkehr rauscht nicht, Rauschen ist etwas anderes, Sausen wäre auch falsch, es geht eher um ein immer wieder neu einsetzendes Forroror und Sösössös, eine Komposition mit Zufallstönen.
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