Die Richtung der
Märchen
(Leseprobe aus: Franz Fühmann,
Autorisierte Werksausgabe in 8 Bänden, Band 2, S. 60, 1993, Hinstorff-Verlag,
Rostock)
Die
Richtung der Märchen: tiefer, immer
zum Grund zu, irdischer, näher der Wurzel der Dinge,
ins Wesen.
Wenn
die Quelle im Brunnen nicht springt
und ratlos die Bürger sich stauen:
Held Hans hebt den Stein, der im Wasser liegt,
da hockt eine Kröte darunter,
die Kröte muß man töten,
dann springt der Quell wieder rein.
Die
Spindel fiel in den Brunnen,
das Mädchen sprang in die Tiefe,
unten tat sich ein Pfad auf,
der führte zur weisen Frau,
die lohnte gerecht mit Gold und Pech
im Lande tief unter dem Brunnen.
Als
er gegen den Drachen zog,
mußte der Held den Schacht hinab,
den Drachen in der Höhle zu treffen.
Er
sagte: "Laßt mich hinunter, und wenn ich
vor Angst an den Strängen zerre, und je mehr ich zerr, desto
tiefer laßt mich hinunter." Und
sie ließen ihn hinunter, und er zerrte, und sie ließen ihn
tiefer hinab,
und er kam, zerrend, in die Höhle,
und er besiegte den Drachen.
Dem
Grund zu, die Richtung der Märchen,
dem Grund zu, wir zerrn an den Strängen,
dem Grund zu, wir zerrn an den Strängen,
dem Grund zu: Wir zerrn an den Strängen...
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