|
|
Familienpackung
(Leseprobe aus: Familienpackung, Roman (2005, Krüger)
Herr Barts ist da. Was für ein
Mann. Schmale Hüften, dunkles Wuschelhaar und ein absolut wahnsinniges Strahlelächeln.
„Guten Morgen Frau Schnidt.“ Wie der mich angrinst. Ich bin hin und her
gerissen. Gut, dass ich mir heute Morgen die Haare gewaschen habe. Es gibt doch
noch sinnvolle Eingebungen.
Was wäre, wenn ich ihn, statt Guten Morgen zu sagen, einfach gegen die Hauswand
drücken würde, meinen Körper an seinen dran und dann: ab geht’s. Wir werden
mit Glück noch die Haustür zuziehen und es sicher nicht mehr bis zum
Schlafzimmer schaffen. Dann werden wir es treiben bis wir vor Ermattung fast
komatös sind.
„Schnidt, deine Hormone, Du bist fremdgesteuert, komplett wahnsinnig“,
besinne ich mich und ordne mein Leben, wenigstens im Kopf. Ich bin eine
verheiratete Frau im Reihenmittelhaus, mein Mann arbeitet und ich lasse mich
kurz vor dem Mittagessen von meinen Trieben steuern. Wie weit bin ich gesunken?
Kommt das durch fehlende Kohlenhydrate, ist es die Reihenhausluft, sind es
Stoffe im Trinkwasser oder was läuft da in meinem Körper?
Ich meine, Herr Barts kommt von den Stadtwerken und will den Strom ablesen. Herr
Barts ist ein mir völlig fremder Mann und sein Erscheinen heute Morgen hier an
meiner Haustür ist trotzdem das Ereignis der Woche. Ein Gutaussehender Mann
hier mitten an der Legginsfront. Ein Mann, der in keines der kleinen Häuschen
gehört. Ein Mann der lacht und sich sichtlich freut mich zu sehen. Reicht das
schon für aufwallende Begierde? „Guten Morgen“, stammle ich mit leichter
Verzögerung und ziehe die Haustür zu. Jetzt habe ich den Kerl schon mal im
Flur. Ein Schritt nach dem anderen.
Rezension I Buchbestellung I home III05 LYRIKwelt © Krüger