Anhand meines Bruders von Hans-Jürgen Fröhlich, 1974, Hanser/1999, S. FischerHans-Jürgen Fröhlich

Anhand meines Bruder
(Leseprobe aus: Anhand meines Bruders, Ein Doppelporträt, 1974,
Hanser/1999, S. Fischer TB).

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Auf einmal hier, sind wir hierher gekommen, in diesen auslaufenden Sommer hinein, in dieses unbewohnte Haus, wo es über der niedrigen Küche nur Schlafkammern gibt; in vier Zimmern Eisenbetten und Bettstellen aus dunklem Holz mit schweren Pfosten, Nachtkästen, Kommoden, tiefe Kleiderschränke ohne Kleider, zerbrochene Fenster in vier Windrichtungen. Aber auch ein aufgegebener Schreibtisch, leergeräumt, mit untilgbaren Spuren seiner Verwendung, der Abnutzung und Verwitterung, mit Brandflecken, Tintenspritzern, Holzwurmlöchern, Eindellungen und Vertiefungen, als habe noch eine schwerfällige Hand, wo sie geruht hat, zwischen Schreibblock und Tintenfaß, vor dem Ausfüllen von Formularen, beim Durchlesen eines Briefes an die Söhne, nach der Niederschrift des Testaments, ihren Abdruck hinterlassen. Nun bleiben wir. Hier gehen wir nicht wieder. Wir richten uns nach dem Haus, richten uns in dem Haus ein. Keiner soll uns von hier, wo wir uns gerade eingerichtet haben, wieder wegbringen.

Ich sehe mir zu. Ich höre hinter mir her. Ich drehe mich nach mir um. Ich bemerke mich. Wie ich täglich über den Hof komme, morgens und abends, wie ich mit zwei vollen Wassereimern die Treppe hinaufsteige zum Haus, wie ich mit den Wassereimern vor der Tür stehe, als sei ich ein Besucher, als seien die Wassereimer zwei Koffer, wie ich die Wassereimer in ...

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