Teresa Fritsch

Geträumt...

Voller Pracht und Schönheit
beugt er sich herunter
über unsere sinnenden Gemüter.
Ist es Tag?
Ist es Nacht?
Wer sagt' s?
Spreizen wir unsere Flügel.
Heben wir ab in die Welt des Traums,
unter uns die unendliche Vielfalt des Seins.
Was ist des Lebens Sinn?
"Fliegen!" sagt der Vogel.
"Schwimmen!" sagt der Fisch.
"Laufen!" sagt die Raubkatze.
"Träumen!" sagt der Mensch.
Still! Der Wind will uns etwas mitteilen
mit seinem Schweigen.
Laute Worte sind Vergangenheit.
Nun ist es ruhig,
voll Ehrfurcht hält alles inne und lauscht...
... lauscht der Stille.
Durch dichten Nebel lasse uns durch
das vergessene Tal der Ruhe schweben.
Alles ist eingehüllt in den Rauch des Traums,
in die Sprache der unbewußten Gedanken.
Der Traum der alles möglich macht...
Unter uns die Seerosen.
Sie warten.
Warten darauf, dass wir vorüber ziehen und
ihre Blütenblätter mit uns tragen.
Dazwischen Wasser,
Tropfen in denen sich Geträumtes widerspiegelt.
Farblos bis bunt,
voller Gestalt,
voller Leben.
Neben uns,
voll Eleganz und Anmut,
ein bunter Vogel.
Federn so weich wie die umgebenden Wolken,
in rot, gelb, blau.
Wie ein Windhauch sein Vorübergleiten,
kaum spürbar und doch so intensiv.
Über uns der Mond.
Und die Sonne,
verbunden durch ein seidenes Band.
In ihren Körpern tanzende Gestalten,
frei und unbeschwert.
In uns ein Gefühl des Friedens.
Beflügelt auch vom Herzen her.
Voll Vertrauen,
voll Hoffnung.
Glückselig sich zufrieden wissend
und weiter schwebend,
getragen durch uns selbst.
Schwerelos gleiten die ersten Sonnenstrahlen
über unsere Gesichter,
berauscht durch die Glut des Morgens.
Ein letztes Höherschweben
mit langsamen Flügelschwingen,
in ruhiger Erwartung,
bald zu erwachen.
Erwachen. Immer wieder erwachen.
Aus der Welt des Traums,
der Vielfalt des Möglichen.
Sanftes Landen in den Armen des Bewussten.
Voller Belangen, bald wieder Abzuheben.

(2002)

Rezension I Buchbestellung I home IV04 © LYRIKwelt