Last Exit to El Paso von Fritz Rudolf Fries, 2013, Wallstein

Fritz Rudolf Fries

Last Exit to El Paso
(Leseprobe aus: Last Exit to El Paso, Roman, 2013, Wallstein-Verlag).

Es dunkelte schon, als das Telefon klingelte.

Der Mann in seinem Bett, seine Tage sind gezählt nach

Ansicht der Ärzte, drückt die grüne Taste an seinem Mobiltelefon.

Altmodisch, wie er zu sein glaubt, verweigert

er sich einer eskalierenden Technik. Bevor er sich mit

heiserer Altmännerstimme meldet, berührt seine Hand

den warmen Leib seines Enkels Fabius. Schlaftrunken,

aber aufmerksam für die Geräusche im weiten Haus wartet

das Kind auf das Märchen, das sein Großvater heute

für es ausgesucht hat. Es muss ein kurzes Märchen sein,

denn vor der Tür steht schon Kathleen, Großvaters Pflegeschwester,

Sekretärin, Haushälterin, um das Kind ins

Bett zu bringen. Während das Telefon klingelt, beobachtet

Fabius den Flug der Obstfliegen um die matt

scheinende Deckenlampe, eine Art Weltkugel aus japanischem

Papier. Die Fliegen jagen einander, balgen sich

wie junge Katzen, retten sich auf die Verstrebungen der

Lampe, die im Windhauch aus dem spaltweit geöffneten

Fenster schaukelt.

Der alte Mann in seinem Bett meldet sich ein zweites

Mal. Eine eilige Stimme, Mann oder Frau, fragt: Spreche

ich mit Herrn Pierre Arronax, ja, herzlichen Glückwunsch,

Herr Arronax! Sie haben eine Weltreise gewonnen!

Wir melden uns in wenigen Minuten wieder, nehmen

Sie Papier und Bleistift zur Hand, wir rufen an …!

Blödsinn, denkt der alte Mann, woher wissen sie

meinen

Namen, der dazu noch ein Pseudonym ist aus der

Zeit, da er sich mit Jules Verne beschäftigte. Er? Eine

Weltreise, in achtzig Tagen? Da er schon heute ein toter

Mann ist?

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