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Erscheinung
(Leseprobe aus: Draußen ist die Sonne, Gedichte, 2006, Lyrikedition
2000).
Der Mann dort auf der Eisenbrücke,
feiner Zwirn und Goethe-Schritt, so fehl am Platz
inmitten des Berufsverkehrs, der heimwärts drängt,
vielleicht ist er die Graue Eminenz,
die über uns das Urteil fällt.
Weitab
von unseren Geschäften, Museen und Parks
und unseren Leichen in Kellern und Gärten,
schreitet er durch Windstoß für Windstoß der Autos
entlang an der berußten Brüstung,
blickt über das Gleisfeld,
die endlos verschweißten Stränge,
lang gezogene Bögen durch Brachland
voll Unkraut, Schutt, Ruinen, ausrangierten Wagen.
Hier gibt es kein Halten, hier kann kein Gedanke wachsen,
hier streifen nur müde Augen,
in den Wohnvierteln erste Lichter,
die späte Sonne glänzt über die Scheiben des Westin-Hotels,
die Ampeln und Schilder lösen sich vom Tag,
ein Krankenwagen sirent
Adé, Adé,
hier diese Erscheinung unter Erscheinungen,
vielleicht ist sie die Graue Eminenz,
die uns nie gegenübertritt,
uns hinterrücks verramscht.
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