So ist der Herbst (Oktober 2001)
Rauscht quereinfeld
& hallt noch Wochen nach.
Die Blätter krümmen sich vor Lachen. Ein nasser Wind
Scheucht Regenschirme auf. Schwarzgraue Federknäuel fallen
Aus allen Wolken auf zerrissenen Äcker zwischen
Kahlgeschlagenen Reben.
Schützen halten sie im Zaum - die alte Vogelscheuche: scheucht nicht.
Sie wettert ab. Das muss ich sein & war es Gestern schon
Da trug die Sonne Schatten auf, die Öchsle mühten sich, die Blätter
Trieben's bunt. Erntedank, ja, ja so weit das Auge.
Und volle Scheuern plakatierten die Alleen. Noch buchengrün, schon
ahorngelb
Maronen rollten vor die Füße. In den Gassen
roch es nach neuen Wein in sauren Bäuchen und abends
kippte die Sonne zeitig Rot
hügelabwärts bis zum im Fluss.
Jetzt schauert Regen böse, Wasser
Kriecht die Beine hoch, mürrisch
Schauen Haltestellen nach Passanten aus und Taxis werfen Fragen auf:
Woher, wohin, Jagdsaison auf das Getier, das vor den Ampeln
Der Erlösung harrt, grün und rot illuminiert.
Die alte Vogelscheuche am Bahnhof
sammelt Münzen für die Nachsaison;
nasse Wolle, kalte Kippen, das dicke Filz der Nacht
um sich flaschenweise zuzudecken: schlaf,
Brüderlein schlaf.
Morgen verklebt Nebel Deine wirren Haare. Ungehalten
Dampft der Fluss. Eine Böe faucht Dich an- der Tag
Hält sich bedeckt und fasst sich kurz.
Abendirrlichter streifen Pendler, vereinzelt
Glimmen Kerzen auf und Zimtsterne
bröseln in Manteltaschen: Setz Dich, Bruder Martin!
Leg den Mantel ab, alte Vogelscheuche und halt'
Die Zeitung in den Wind bis sie sich
im frühen Schwarz der Tagesschau verliert
So wird es Winter manchmal vor der Zeit
Rezension 0I02 © LYRIKwelt