Der Trottelkongress von Franzobel, 1998, Ritter-Verlag.comFranzobel

Der Trottelkongress
(Leseprobe aus: Der Trottelkongress, 1998, Ritter-Verlag)

Achselschwitz, der frühere Bombenleger, Kommunarde und Gründer der österreichischen Terrorfraktion ÖTF, war gerade dabei, bei einem Prominenten-Fußballspiel eben jenen Mann zu überspielen, den er vor 30 Jahren noch entführen wollte. Man hat ja doch Moral, stemmt sich dagegen, hält nicht bei Wirtschaftsfaschisten an. Der ehemalige Vorstand und Abgeordnete Vitellianus Pfeistlinger blieb damals nur verschont, weil er wegen einer Waffenschieberaffäre aus dem siebten Himmel aller seiner sechs Ämter stürzte. Tropf. Seither lebte der Multimilli ohne Ehr unspektakulär in seiner Luxusvilla Gunzesried. Alles haben, alle Dinge, ist das Glück? Nein, banal.
Auch der den Skandal enthüllende Aufdeckjournalist war im Ensemble Pfeistlingers. Der gefürchtete und tief gefurchte Adeodatus Beitl fand sich aber bald in den Redaktionsdienst zurückgestellt, wohin ihn vor allem ein Ausritt über die minderbegabte Gattin des Altbürgermeisters Dono Kaserer abwarf. Dem unter krankhaftem Durst leidenden Politiker war unerträglich, daß jemand gegen die dürren, mit Eitelkeit geblähten Auftritte seiner geltungssüchtigen Frau polemisierte, die dafür im Volksmund war, ihr Geschlecht über jede Intendanz zu stülpen, daher Stulpenstaupe hieß. Die sehen ja nicht ihr Talent und wie sie singen kann – mit diesen langen Haxen. Die Worte fehlen mir.“

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