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August & Gustau
(Leseprobe aus: August
& Gustau, Roman, 2007, A 1 Verlag
- Übertragung Monika Lübcke).
Die Reise beginnt. Anscheinend haben
August und Gustau den Zweck des Auftrages, die letzte Bestimmung der Fahrt
verstanden.
Ich habe den Eindruck, die richtige Wahl getroffen zu haben, denn ich sehe in
ihrer Haltung, in ihrem Schweigen eine gewisse Akzeptanz der Projektphilosophie
- wenn ich es mal so nennen darf -, der Vertragsklauseln. Wir haben zwar keinen
Vertrag unterschrieben, aber ich glaube, nach dem, was wir besprochen haben,
werden sie nicht auf die niederträchtige Idee kommen, mich vor der Zeit zu töten.
Ich meine, so wie ich ihnen vertraut habe, werden sie auch mir vertrauen, vor
allem nachdem ich ihnen mein genaues Programm dargelegt habe.
Wir steigen in den Mini ein. Das ist gar nicht so einfach. August ist von Nahem
betrachtet eine wirklich massige Person, und er erinnert mich noch mehr an den
mit dem Spitznamen Schweinchen, nicht nur wegen seiner wie eine Schnauze vorgewölbten
Lippen, nicht nur wegen seiner leicht himmelwärts gerichteten, stumpfen Nase,
sondern vor allem wegen seiner Korpulenz, denn tatsächlich hat August eher die
Nase eines Boxers, eines Boxerschweins.
Das Erste, was ich ihn im Mini frage, ist, ob er weiß, dass Tom Jones auch
Boxer war, und er antwortet mir, jeder wisse zwar, wer Tom Jones sei, aber er
habe nicht gewusst, dass er auch Boxer war. Gustau setzt sich neben mich. Bind
doch deinen Schal ab, sage ich ihm als Erstes, aber er antwortet, das sei bei
dieser Kälte nicht angezeigt, die Dunkelheit breche herein und er wolle den
Schal lieber anbehalten, bis wir auf der Landstraße seien und es im Auto etwas
wärmer geworden sei. August erklärt, Gustau lege den Schal deshalb nicht ab,
weil er seine Narbe am Hals nicht zeigen wolle, sie stamme von dem Seil, an dem
er hängen sollte, doch im letzten Augenblick, die Füße hingen bereits in der
Luft, traf die Begnadigung ein, und es war gerade noch Zeit, ihn abzuhängen,
eine Narbe sei aber zurückgeblieben. Es ist ein Scherz. Gustau dreht sich zu
mir hin, zieht heftig an dem Schal und zeigt mir die nicht existierende Narbe,
seinen unbefleckten Hals und schimpft auf den Blödsinn von August, diesem
unverschämten Kerl, solche Witze mache man nicht, und schon gar nicht unter
solchen Umständen.
Ich denke, so schlimm ist das auch nicht, und sage, es sei doch eine gute
Methode, das Eis zu brechen, und August sagt, man müsse das Eis wirklich
angehen, aber ›das von der verdammten Windschutzscheibe, Mann!.‹ Bevor die
Reise losgeht, steige ich aus und versuche mit einem Messer, das Eis
abzukratzen, es stimmt, es ist richtig kalt, und seit über einem Monat bin ich
nicht mit dem Mini gefahren. Ich sage zu Gustau, er solle sich keine Gedanken
machen, nach knapp zehn Kilometern würden wir bereits den ersten Stopp
einlegen, in dem Club mit den zwei Neonherzen an der Fassade.
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