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Sturz der Titanen
(Leseprobe aus
Sturz der Titanen, Roman,
2010, Lübbe - Übertragung Rainer Schumacher und
Dietmar Schmidt).
22. Juni 1911
An dem Tag, als George V. in der Westminster Abbey den Thron bestieg, fuhr Billy
Williams zum ersten Mal in die Grube von Aberowen ein.
Es war Billys dreizehnter Geburtstag.
Sein Vater weckte ihn mit einer eher zweckmäßigen als sanften Methode:
Rhythmisch klatschte er den Handrücken gegen Billys Wange. Billy, aus dem Schlaf
geholt, versuchte anfangs, die unsanfte Behandlung nicht zu beachten, doch Dah
hörte einfach nicht damit auf. Billy wollte schon wütend werden, als ihm
einfiel, dass er aufstehen musste, sogar wollte. Er öffnete die Augen und setzte
sich auf.
»Vier Uhr«, sagte Dah und verschwand wieder. Seine Stiefel bollerten auf den
hölzernen Stufen, als er die Treppe hinunterstieg.
Billys großer Tag war gekommen. Heute würde er in der Zeche von Aberowen sein
Arbeitsleben als Grubenjunge beginnen, so wie vor ihm die meisten Männer in dem
südwalisischen Ort, als sie in Billys Alter gekommen waren. Nur hätte Billy sich
jetzt gerne ein bisschen mehr wie ein Bergmann gefühlt ... Er musste an David
Crampton denken, der an seinem ersten Tag in der Zeche geflennt hatte und den
man seitdem »Crybaby« nannte, Heulsuse, obwohl er schon fünfundzwanzig war und
die große Hoffnung der örtlichen Rugbymannschaft. Billy war entschlossen, sich
nicht zum Gespött zu machen.
Gestern war Sommersonnenwende gewesen, und das Licht des frühen Morgens fiel
durch das winzige Fenster. Billy blickte auf seinen Großvater, der im gleichen
Bett neben
ihm lag. Gramper hatte die Augen offen. Er sagte immer, alte Leute bräuchten
nicht viel Schlaf. Wahrscheinlich war er deshalb immer wach, egal, wann Billy
aufstand.
Billy stieg aus dem Bett. Er trug nur seine Unterhose. Bei kaltem Wetter behielt
er zum Schlafen auch das Hemd an, doch es war ein warmer Frühsommer in diesem
Jahr, und die Nächte waren mild.
(...)
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