Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu von Dario Fo, 2004, KiWi

Dario Fo

Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu
(Leseprobe aus: Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu, Biografie, 2004, Kiepenheuer & Witsch - Übertragung Peter O. Chotjewitz)

»Ja, mein Vater war Bahnhofsvorsteher, wenngleich nur zur Aushilfe. Die Haltestelle San Giano war so unbedeutend, dass die Lokomotivführer häufig das Anhalten vergaßen. So lange bis ein Reisender, der keine Lust hatte, erst bei der nächsten Station auszusteigen, die Notbremse zog. Nach einer langen Rutschpartie fraßen die Bremsen sich fest und der Zug hielt mitten in einem Tunnel. In den haltenden Zug fuhr ein nachfolgender Güterzug. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten. Nur einer wurde verletzt, der Reisende, der die Notbremse gezogen hatte. Der Unglücksrabe wurde von den übrigen Reisenden verprügelt. Auch eine Nonne beteiligte sich.
Mit dem Eintreffen meines Vaters änderten sich die Zustände augenblicklich. Felice Fo flößte Respekt ein und Gehorsam. Wenn er sich – die rote Mütze runtergezogen bis auf die Augen – neben den Gleisen in Positur stellte und die Signalfahne schwenkte, die ebenfalls rot war, hielten sämtliche Züge an. Nur die Personenzüge, versteht sich, und die Schienenbusse, insgesamt vier Stück am Tag.«

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