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Da staunst du
(aus: Sieben Schritte Leben,
Neue Lyrik aus NRW, 2001, Grupello)
Du sagst ich sei nicht imstande zu
staunen Landschaft
anzuschaun die orangene Küche Kleinigkeiten.
Und wie ich staune. Daß unsre Balkonsonnenblumen
kaum geöffnet bereits verblüht und die Kerne
herausgepickt sind. Wie leicht sie mannshoch
sich reduzieren lassen auf ein paar Stummel.
Der Grünfink jetzt auf der Brüstung im Glauben Gewohntes
verfehlt zu haben, fliegt erschrocken davon. Ich staune.
Über Begriffe wie Ordnung den Eingriff der mich
einige Zeit nicht mehr sicher sein läßt. Staune
auf dem Dach unter dem weiß du deine Bürowände streichst
über die zahllosen Satellitenschüsseln die
verrußte Kirche die zum Platzen fetten Tauben die Frau
am Fenster mit Händen aus rosa Gummihandschuhn
daß wieder Freitag und es möglich ist so zu leben allein
übers Dach gehen das heiße Blech nicht spüren
trinken wie Elisabeth Taylors Filmehemann fähig
zu jeder Demütigung jeder Art Gleichgültigkeit.
Rezension I Buchbestellung 0I03 LYRIKwelt © Grupello