Fern und nah von Daniela Fischerova, 2002, Elfenbein

Daniela Fischerova

Fern und nah
(Leseprobe aus: Prst,ktery se nikdy nedotkne/Fern und nah, Erzählungen, 1995/2002, Elfenbein - Übertragung Sophia Marzolff).

Manchmal glaubt man, alles sei nur Schein. Alles sei nur eine Geste, die ihr Ziel verfehlt. Ich bin zehn Jahre alt.
Dieses Jahr hat der Kunststoff in Prag Einzug gehalten. Auf dem Wenzelsplatz ist der Laden Plastik aufgetaucht, und täglich bilden sich Schlangen vor ihm. Alles erregt noch Staunen: Regenhäute, Nylontaschen, PVC-Figuren. Eines Tages bringt auch meine Mutter triumphierend ein Plastikbesteck mit nach Hause, das aussieht wie aus Holz. Der Witz ist, dass das Holz gar keines ist, genauso wenig wie die kleinen Marmorfiguren aus Marmor sind. Das Ganze ist ein kollektiver Wahn, der bald vergehen soll, das Besteck wird noch im selben Jahr im Eimer landen. Doch jetzt halten wir das seltsam leichte Messer gegen das Licht, das Messer weist nach oben wie ein Finger, der woanders hinzeigt, und wir erliegen staunend dem Zauber des Artefakts.

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