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Fern und nah
(Leseprobe aus:
Prst,ktery se nikdy nedotkne/Fern und nah, Erzählungen, 1995/2002,
Elfenbein - Übertragung Sophia Marzolff).
Manchmal glaubt man, alles sei nur
Schein. Alles sei nur eine Geste, die ihr Ziel verfehlt. Ich bin zehn Jahre alt.
Dieses Jahr hat der Kunststoff in Prag Einzug gehalten. Auf dem Wenzelsplatz ist
der Laden Plastik aufgetaucht, und täglich bilden sich Schlangen vor ihm. Alles
erregt noch Staunen: Regenhäute, Nylontaschen, PVC-Figuren. Eines Tages bringt
auch meine Mutter triumphierend ein Plastikbesteck mit nach Hause, das aussieht
wie aus Holz. Der Witz ist, dass das Holz gar keines ist, genauso wenig wie die
kleinen Marmorfiguren aus Marmor sind. Das Ganze ist ein kollektiver Wahn, der
bald vergehen soll, das Besteck wird noch im selben Jahr im Eimer landen. Doch
jetzt halten wir das seltsam leichte Messer gegen das Licht, das Messer weist
nach oben wie ein Finger, der woanders hinzeigt, und wir erliegen staunend dem
Zauber des Artefakts.
Rezension I Buchbestellung 0I03 LYRIKwelt © Elfenbein