Frank Findeiß

Sozialisolation

Von zeitloser Sehnsucht getrieben
Harre ich der Dinge
Nur Erinnerungen sind geblieben
Den Kopf schon in der Schlinge

Von quälender Resignation besessen
Vom Gedanken fasziniert, mich zu Grunde zu richten
Hab ich den Sinn meines Daseins vergessen
Muß die Ursachen mir selbst erdichten

Augenblicke subjektiefster Erkenntnis
Reißen mich in komatösen Schlummer
Verlangen von mir ein Lippenbekenntnis
Über Zweifel und all den Kummer

In einem Zustand von lasziv-ironischer Melancholie
Zermartre ich meinen Verstand
An der Schwelle zwischen Wahnsinn und Euphorie
Lauf ich ständig gegen die Wand

Dabei dämonstriere ich Realität
Mein Verhalten ist Inszenierung
Doch wer sich selbst verrät
Der verliert die Orientierung

Mit Inbrunst schwelge ich in Verlorenheit
Penetriert von k.o.-tischen Gefühlen
Ich steigere mich in eine Unbegreiflichkeit
Und sitze dabei zwischen zwei Stühlen

Am lebendigen Leibe versteinert
Gefangner der eigenen Freiheit zu sein
Hat sich mein Spielraum verkleinert
Denn ich hab nur noch Klötzer am Bein

Hab Vereinzellung heraufbeschworen
Vom eigenen Absturz verzückt
Elend zum Maßstab auserkoren
Allmählich dem Geschehen entrückt

Dabei habe ich mit Eifer gekämpft
Um den Anschluß nicht zu verlieren
Stets Aggressionen gedämpft
Und muß schließlich doch kapitulieren

In der Nische der Selbstgenügsamkeit
Halt ich jedoch meine Stellung
Aber die Brutstätte der Einsamkeit
Bereitet nur eine gedankliche Schwellung

Die Last der Jahre wiegt schwer
Das Gleichgewicht wird so waage
Nichts scheint mehr atmosfair
Ich stelle schon Fragen in frage

Und je tiefer ich noch grabe
Umso mehr wird es nur schlimmer
Und umso größer wird die Narbe
An der ich dann verkümmer

Einst von Zuversicht durchflutet
Doch das ist schon lange her
Dem eigenen Anspruch zuviel zugemutet
Alles nur noch spektakuleer

Jede Regung ist eine große Aktion
Deren Aufwand sonst niemand erkennt
Weit weg ist der Wunsch nach Emannzipation
Und nah ein gestrandet Wrackment

Es gibt keinen Zwiespalt, den ich scheu
Weshalb die schwarze Galle gährt
Ich bleibe der imaginären Mitte treu
Ein Phantom, das mich langsam verzehrt

Doch in mir da sprießt ein Quell
Der nach einem Namen verlangt
Ich fordre mich auf zum Indivi-Duell
Und bin mein eigner Adjutant

Im unendlich weiten Wirrsaal
Fühle ich mich überweltigt
Teil mit mir selbst das stete Schicksal
Das sich 1000-fach verfielfältigt

Was hat sich in mir aufgestaut
Wieso ist alles so verwildert
Nie hab ich richtig nachgeschaut
Der Weg war nicht beschildert

Alle Türen nach draußen verriegelt
Alle Lichtquellen abgeschottet
Obendrein das ganze versiegelt
Im sozialen Vakuum verrottet

Wenn du im eignen Saft mußt schmoren
Die Reißleine der Hoffnung gekappt
Dann schwitzt Ohnmacht dir aus allen Poren
Und du haßt dich selbst im Dunkeln ertappt

In tiefste Tiefen gesunken
Ergieße ich mich in Symbowle
Von zuviel Inhalt betrunken
Oszillier ich von Pol zu Pole

Vom herben Beigeschmack verbittert
Jedes süße Wort verstummt
In alle Richtungen zersplittert
Bis zur Unscheinbarkeit vermummt

Konditioniert durch geistige Unterdrückung
Schwärme ich für Inteamität
Aber dem Weg dieser Überbrückung
Folgte ich zu spät

Hinter mir liegen nur ein paar Schritte
Und vor mir liegen einfach zu viel
Noch weit ist des Lebens Mitte
Und unerreichbar scheint sein Ziel

Nur noch die Chance, sich zu offenbaren
Löst den Knoten der Diskrepanz
Denn erst wenn am eignen Leib du erfahren
Zeigt sich des Lebens Relevanz

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