Der reine Blick auf die Dinge von Remo Fasani, 2006, Limmat

Remo Fasani

Neunzeiler
(Leseprobe aus: Der reine Blick auf die Dinge, Gedichte, italienisch/deutsch, 2006, Limmat Verlag - Übertragung Christoph Ferber)

36

Längs des Pfades, den ich täglich
gedankenversunken begehe,
unterbricht mir heute den Schritt
ein drohendes Donnern. Ich hebe
die Augen und sehe den Himmel
sich verfinstern und ringsum die Bäume,
die Gräser erzittern. Und ich grüss es,
das Zusammenballen des Wassers,
den Gewitterregen, die Sintflut.

37

Der Baum nicht, aber sein Trugbild.
Regungslos Stamm, Äste, Zweige,
ja selbst im Sturmwind der Höhen.
Und an der Stelle des Grüns eine
trockene, graue Moosschicht.
die den Baumrest umwuchert.
Noch andere, sterbende, tote
Bäume im Innern des Waldes.
O Schatten, Mahnmal des Endes.

(Zum Original)

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