Das Berühungsverbot von Gisela Elsner, 2006, Verbrecher Verlag

Gisela Elsner

Das Berührungsverbot
(Leseprobe aus: Das Berührungsverbot, Roman, 2003, Verbrecher Verlag)

Als Keitel während der allabendlichen Zusammenkünfte mit seiner Familie, und zwar Satz für Satz gewohnheitsmäßig betonend, es lohne sich kein Wort darüber zu verlieren, zum ersten Male von sich aus über seine Tätigkeit zu reden begann, drückten seine Eltern einander unter dem Tisch die Hände. Seine Frau beugte sich dicht, als müsse sie sich seiner vergewissern, mit bald leuchtenden, bald vor Rührung feuchten Augen vor. Daß er seiner Tätigkeit – er könne, meinte er, weil das Wort Beruf wegen der kümmerlichen Kenntnisse zu hochgegriffen sei, das Wort Arbeit indes wegen der hohen Bezahlung zu tief, ohne Beschönigung nur eines von sich sagen: er sei beschäftigt – daß er also seiner Tätigkeit nichts als Klagen abgewinnen konnte, machte die heimliche Beglückwünschung der Eltern unter dem Tisch keineswegs hinfällig. Endlich, flüsterte seine Mutter seinem Vater unter vier Augen vor dem Schlafengehen zu, endlich spricht er so wie du.

Rezension I Buchbestellung I home III07 LYRIKwelt © Verbrecher Verlag