Der Haubentaucher von Maria Eliskases, 2009, Bibliothek der Provinz

Maria Eliskases

Der Haubentaucher
(Leseprobe aus: Der Haubentaucher, Erzählungen, 2009, Bibliothek der Provinz)

Es könnte anders sein, dachte sie, es gibt nichts, was man nicht ändern kann, man muss nur wollen. Wie es ihr gelänge und wie es dann wäre, dachte sie sich aus, während sie schwamm.
Für drei Wochen, mit Option auf Verlängerung, hatten sie das Haus im Salzkammergut gemietet. Etwas außerhalb des Dorfes gelegen, nicht größer als ein Gartenhaus und in unmittelbarer Nähe des Seeufers, nur Wohnküche und Schlafraum, aber mit allem Komfort, sonst hätte er sich nicht gleich von Anfang an so wohlgefühlt.
Wohlfühlen bedeutete für ihn: gut arbeiten können. Sie hatte Ende April die Annonce entdeckt, er war skeptisch gewesen, wie bei allem, was von ihr ausging, aber nach einigen Rückfragen, die befriedigend beantwortet wurden, hatte er sich überzeugen lassen: Das war der richtige Ort für den Abschluss der Arbeit, die Durchsicht eines Manuskripts in Ruhe, bevor der wissenschaftliche Artikel in Druck ginge. Sie durfte zum Schluss wie jedes Mal vor einer Freigabe Korrektur lesen, denn selbst dem modernsten RS-Programm miss­traute er, der Genauigkeitsfanatiker. Sieben fehlende Beistriche in seiner vorigen Arbeit waren ihre stolze Ausbeute gewesen, zuerst angezweifelt, dann doch gesetzt.
Sie war mit dem Auspacken der Koffer beschäftigt, saß er bereits am Schreibtisch, das heißt am Küchentisch, und sie kannte sich aus: Von jetzt an durfte sie sein Revier, die Wohnküche, nur betreten, um zu kochen und gemeinsam mit ihm zu essen. Er rief: Hab Hunger!, und sie kam herein; er streckte sich, knackste mit den Fingerknöcheln, drehte mehrmals den Kopf von links nach rechts, sicherte das Dokument im Laptop, schob Bücher und Mappen beiseite, um eine Tischhälfte für die Mahlzeit frei zu machen, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten ließe, und schaute blinzelnd zum Fenster hinaus, als bemerke er mit Staunen, dass draußen die Natur wartete. Auf ihn wartete sie umsonst.
Wozu sind wir an diesem herrlichen See, mein Lieber?, fragte sie leise, während sie am Herd werkte, du nimmst ihn gar nicht wahr.

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