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Drum sah man unlängst in
Berlin
Und zwar aus allen Ländern
Viel Frauen zum Kongresse
ziehn,
Wohl in „Reform“
Gewändern.
Denn nach „Reform“ lechzt
allerwärts
Das sehnsuchtsvolle
Frauenherz,
Seit sich der Wunsch
bemächtigt
Des Wörtchens
„gleichberechtigt“!
Nun ruft zum Kampf der
Frauenbund,
Der internationale:
Es hebt der
Gleichberecht’gungs-Grund
Die Stellung, die soziale,
Drum Schwestern, all’,
seid auf dem Damm!
Dem alten Satz:
Du est la femme
Soll neue Antwort werden
In jedem Land auf Erden!
Manch Ehemann sitzt still
beiseit
Und singt von schönen
Stunden:
O alte
Burschenherrlichkeit,
Wohin bist du
entschwunden!
Die Frau indeß zu selben
Zeit
Beginnt: O
Frauenherrlichkeit,
Wie bist du im Entstehen,
Die Welt wird Wunder
sehen!
O neue Frauenherrlichkeit,
O neue Zukunftssonne!
Bald leuchtest du der
jüngsten Maid
Zu neuer Daseinswonne,
Es geht im neuen Säkulum
Das Mädchen auf’ s
Gymnasium,
Es darf auch schon
studieren
Und hier und da amtieren!
Die Mägdlein sind sehr „wählerisch“
Viel mehr noch als die
Knaben,
Drum wollen sie vom
„Grünen Tisch“
Das „Wahlrecht“
schriftlich haben,
Indeß wenn man’s bei Licht
besieht:
(Es ist kein Malheur,
wenn’ s nicht geschieht)
Dem weiblichen Geschlechte
Gebühren andre Rechte!
O stolze
Frauenherrlichkeit,
Warst du nicht stets
vorhanden.
Zwingt nicht die Frau zu
jeder Zeit
Den stärksten Mann in
Banden?
Seufzt nicht manch
schwacher Ehemann:
Jetzt hat die Frau die
Hosen an!
Was auch der Gatte leiste.
Gilt nicht ihr Wort das
meiste?
Der Jüngling liebt den
rauen Pfad
Und Kühnheit ziert sein
Treiben.
Der Jüngling stellt sich
als „Soldat“,
Die Jungfrau lässt dies
bleiben,
Hier führt die
Gleichberecht’gung nur
Zu einem Zwiespalt der
Natur!
„Bis hierher und nicht
weiter“
Dröhnt’ s dann mit Macht!
Ernst Heiter