Dies und das und das von Nadja Einzmann, 2006, S. Fischer

Nadja Einzmann

Dies und das und das
(Leseprobe aus: Dies und das und das, Prosa, 2006. S. Fischer)

Als sie neun oder zehn ist, fügt sie dem Fahrrad der
Schwester einen Kratzer zu, einen Kratzer an einer schwer
einsehbaren Stelle. Dass es von nun an eine heimliche
Beschädigung aufweist das Fahrrad, darauf kommt es ihr
an. Frisch aus dem Laden, beide Fahrräder, ihres und das
der Schwester. Aber nur ihres ist wahrhaft unverwundet,
unangegriffen, unangekratzt, strahlend neu und glänzend.

(...)

Seine vielleicht erste Erinnerung, dass er unter dem
Weihnachtsbaum liegt und sich in einer roten Weihnachtskugel
spiegelt. – Als er sich im folgenden Jahr wieder so
gespiegelt vorfindet, denkt er zurück und weiß auf einmal,
dass Zeit vergangen ist, dass Zeit vergeht.

(...)

Sein Knopfwiderwille zum Beispiel. Auch wenn er den
recht gut unter dem Deckel halten kann, sich sehr gut
zusammennehmen kann, seit er älter geworden ist, kein
Kind mehr ist. Anfassen ungern. Aber ansehen, das gelingt
recht gut. Gesprächspartner haben da nichts zu befürchten
mit einem Knopf am Jackett oder ähnlichem. Auch
Hemdknöpfe sind heute kaum noch eine Herausforderung
für ihn. An diese kleinen perlmuttenen Hemdknöpfe hat
er sich mittlerweile schon fast gewöhnt. Seine Freundin,
das war eine erhebliche Entdeckung für ihn, für sie beide,
als sie einander zu sagen begannen, dass ihnen Knöpfe
widerlich sind, beiden gleichermaßen, diese glatten
Rundungen, einfach widerlich. Auch Bonbons übrigens.
Auch an Bonbons hat er sich lange gewöhnen müssen.
Das war nicht leicht.

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