Johann Peter Eckermann

Montag, den 16. Juni 1823
(aus: Gespräche mit Goethe...., 1836-42)

Ich war in diesen Tagen wiederholt bei Goethe. Heute sprachen wir größtenteils von Geschäften. Ich äußerte mich auch über seine Frankfurter Rezensionen, die ich Nachklänge seiner akademischen Jahre nannte, welcher Ausspruch ihm zu gefallen schien, indem er den Standpunkt bezeichne, aus welchem man jene jugendlichen Arbeiten zu betrachten habe.

Er gab mir sodann die ersten elf Hefte von "Kunst und Altertum", damit ich sie neben den Frankfurter Rezensionen als eine zweite Arbeit nach Jena mit hinüber nehme.

"Ich wünsche nämlich," sagte er, "dass Sie diese Hefte gut studierten und nicht allein ein allgemeines Inhaltsverzeichnis darüber machten, sondern auch aufsetzten, welche Gegenstände nicht als abgeschlossen zu betrachten sind, damit es mir vor die Augen trete, welche Fäden ich wieder aufzunehmen und weiter fortzuspinnen habe. Es wird mir dieses eine große Erleichterung sein, und Sie selber werden davon den Gewinn haben, dass Sie auf diesem praktischen Wege den Inhalt aller einzelnen Aufsätze weit schärfer ansehen und in sich aufnehmen, als es bei einem gewöhnlichen Lesen nach persönlicher Neigung zu geschehen pflegt."

Ich fand dieses alles gut und richtig, und sagte, dass ich auch diese Arbeit gern übernehmen wolle.

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