Johanna Domokos

Roter Wald
(Leseprobe aus: Bordó Er(d)ő/Re(a)d Forest/Roter Wald, Gedichte, S. 8, 11, 2004, Apokrif - Übertragung aus dem Englischen Michael Heim und aus dem Deutschen Christine Schlosser).

Roter Wald
                 Zum Gemälde von Astrid Preston

Eine Umarmung voll tiefroten Waldes, erfahren, sich weiter ausdehnend. Zu einem weiten Land. Zu einem drehenden Ball. Das Wunderbare durchbricht den Gleichmut des Blicks. Das eingeatmete Luftblut, die Herzlinie des Zweiggerüstes, das fortwährende Durchweben – Wunder in der Sprache der Elemente. Von außen hineingetragen, liebkost und dankbar zurückgegeben. Die Erfahrung dessen durchbricht den selbst geschaffenen Filter, der die Wahrnehmung betäubt. Tiefrotes Mitgefühl durchströmt alle Farben: welcher Stoff kann die Seele füllen? Schwarz-rot spricht die ungehörte Sprache und hält uns den Spiegel vor. Darin können wir uns sehen. Im Hintergrund Wüste, eine Masse von Körperteilen und irgendwo das Wunder-ohne-Wunder. Die Zeit im Spiegel ist mehrdimensional, doch davon wollen wir nicht wissen. Auf der einen Ebene bleibt der Mensch außen. Auf der anderen die Natur. Blick mit geschlossenen Augen. Betroffenheit. Mein eines Auge weint, das andere auch.

(Zum Original)

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