Brandung
Ab und zu eine urlaubsfremde
was kommt da noch
eiskrembuden stege zwischen
schilfrohr und schlick
wenigstens in diese gestellte
unschuld geraten
im gegenlicht silbern sich die versäumnisse
die alten noch hatten
das land unterm pflug
schirrten das vieh
in den flirrenden tag
späte hirten loser feuer
lotsen im trug
ihrer sinkenden zeit
die uns nie barg
aber noch einmal die eignen
pläne durchkreuzen
zum schein die verwucherten
wege zurück dorthin
wo die stunden verblassen kühl wahnlos
vielleicht für eine zigarettenlänge
am strandboulevard trocknet der abend
die schirme sandtürme fallen
im tritt die flut
löst das flaschenwehr
die pauschaltouristen
mischen lustvoll noch mit
beim waschen der
ölgetränkten tiere
handzahme apokalypsen
sinnstiftende wasserspiele
die in jedem fall
gefilmt werden müssen
vergessen noch ein kind
am muschelohr
schwarz die hände lauscht es
denken wir so vielleicht schon
unserer rauschenden fremde denn
das waren wir ja auch einmal
nichts weiter
als geschlecht und schlaf
und noch zu dumm für jeden gott
und zufrieden weil uns
nichts betraf
weder wunsch noch wort
das schönt denn
was wir flüchten sind wir ja
längst gewöhnt
(2002)
Rezension I Buchbestellung I home IV04 © LYRIKwelt