Die wissenschaftliche Emancipation der
Frau
(Zitat aus: Die wissenschaftliche Emancipation der Frau, Seite
42f., Essays, 1874).
"Denken Sie sich, Herr von Bischof, unser Friedrich
Schiller wäre in seiner Feldscheer-Familie als kleine Friederike zur Welt
gekommen. Was würde wohl Großes in der kleinen Mädchenschule zu Marbach aus
dieser Friederike geworden sein? Ich kann es mir lebhaft vorstellen! Schillers
Riekchen hätte in der Schule beim schläfrigen Lese- oder Rechen-Unterricht,
anstatt aufzupassen, ihre Bücher mit Versen beschmiert, und ahnungslos würde der
Lehrer die sapphoschen Kleckse mit Fingerklopfen gestraft haben.
Riekchen hätte man oft unter einem Lindenbaum gefunden - träumend.
Riekchen hätte frühzeitig ihren guten Ruf verloren wegen verprudelter
Handarbeiten und Ungeschicklichkeiten beim Aalschlachten. Ihr wäre auch kein
Mann zu Teil geworden; denn der Verdacht zukünfitger Blaustrümpfigkeit häte
jeden soliden Marbacher abgeschreckt. Riekchen wäre führzeitig gestorben - an
einem Herzfehler.
Keine Nachwelt würde, O Riekchen, deinen Namen nennen; und dennoch, so gut
Raphael (nach Lessing, auch ohne Hände geboren der größte Maler aller Zeiten
gewesen wäre, ebenso gut wärst auch du die größte Dichterin Deutschlands
gewesen, wenn auch ungedruckt."
Rezension I Buchbestellung I home II10 © LYRIKwelt