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erste sauwaldiana
(Leseprobe aus: Sauwaldprosa, 2001/2008, Residenz).
Wo ist das Land der Panzerpratzenkrebse? Wo fließt das Bächlein helle, darinnen die Forelle Franz Ferdinand Elfmeterbälle bolzt? Wo hängt der Beißkorb der Xanthippe und wo, sag an! erscheinen nachts die Bürger aus der Traumstadt Perle? Wo ruht das Drachenei des Magiers von der anderen Seite?
Hinter den sieben mal sieben Hügeln, die sich bei Höll auftun, Moosvogl verbergend und Hundshaupten, Mergl und Frauentodling; östlich Ortenburgs, dessen »bezaubernder«, aufweglisch stimmender Predikant Cölestin auf Wunsch seines Herren, des Reichsgrafen Joachim zu Ortenburg, mitten im Katholischen Herzog Albrechts V. protestantisch von der Kanzel ketzerte, die er in Harnisch »und mit gespannter Büchse« bestieg, da schon von Schwertling her die Hakenschützen nahten; gute – bei Westwind im Rücken! – drei Fahrradstunden hinter den Messerbrechern des Töginger Waldschnacks Gustl, halb so weit nur noch von Roßbach aus, wo ein Zahnarzt seine »Apfelkönigin«, die lächelnde Stille, inthronisierte, dort, Achtung, Zungenbrecher! – drobm überm untern Inn, südlich der Nibelungenstraße also, nördlich der Sonnentore, dort ist mein Arkadien, der Sauwald.
Und die Sauwäldler, das sind die »Riaßler«. Überkommene Namen. Zu Olims Zeiten nämlich schnoberten hier riesige Rudel von Paarzehern durchs Holz und brachen hervor mit Gegrunz und Röff-Röff, zur Unzeit die Felder zu pflügen. Nun, die Sauen gingen zurück, wie es in der Forstamtssprache heißt – man schoß sie ab, bis auf ein paar überlebende Glücksschweine – die Sauen gingen …und die Namen blieben.
Namen saan Schicksal, sagt der in Eisenbirn, an einen Holzapfelbaum gelehnt. I hoaß Krieger – und hob zwoamoi eirucka miassn. Der Dachdecker, bei dem wo i glernt hob, hot si Schindler gnennt. Da war bloß dees L zvui; dees hob i oiwei hergnomma für mei Leckmi. Und mei Oide war a geborene Jung, und is aa jung gstorbm! Ein Seufzer, ein Blinzeln hinauf gegen den Krönungshimmel, in dem ein Rüttelfalke lauert, dann ein – trotz Innviertler Lid
6 namen saan schicksal spaltenentzündung! – zwingend imperativer Blick, unter dem die schiefste aller Weltformeln jahrzehntelang unangefochten bliebe, ein Runzeln der Stirne und das Beiseitewischen, was red ich, das Durchsäbeln aller möglichen Einwände mit der Handkante: Namen saan Schicksal. Aus und Amen. Beweise brauchts do nimmer!Rezension I Buchbestellung I home IV08 LYRIKwelt © Residenz Verlag