Ulrich Degwitz

Ein Bahnhof, so nett!

Wo andre ihre Notdurft still verrichten
und atmen ihren eigenen Gestank –
dort will ich meine gelben Verse dichten,
solang´ der Kopf noch klar ist und die Seele krank.

Hier, auf der Bahnhofs-Toilette,
wo mancher Fixer schon krepierte,
fand ich die herrlichsten Sonette,
indem ich reimend urinierte.

Ich schrieb mit dickem Stift behände
Vers um Vers – ganz unerhört –
auf schmutzige Toilettenwände.

Und nebenan entleerte einer seinen Darm,
doch ich schrieb weiter, ungestört –
weil mir der allerneueste Einfall kam.

III01© LYRIKwelt