Nacht und Tag
Die Nacht fiebert dem jungen Tag
mit Ungeduld entgegen.
In ihrem schwarzen Haar glänzt Tau,
ihr seidnes Kleid ist dunkelblau
und Sternenstaub liegt auf den Wegen,
die der Ersehnte kommen mag.
Ein schwacher Schein am Horizont
erweckt die Welt zu neuem Leben.
Die Schatten flüchten in die Ritzen,
um nicht im Sonnenschein zu schwitzen,
die Vögel singen und die Spinnen weben
ihr Netz vor dem verblassten Mond.
Der schöne Tag erhebt sein Haupt
und lacht der Nacht ins Angesicht.
Er greift nach ihrer kalten Hand,
sein Atem nimmt ihr den Verstand
und blendet sie mit seinem Licht,
das ihr schließlich die Sinne raubt.
(2005)
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