Stadtparkballade
Voll Geiz befangen im
Sekundenzählen,
verschwenderisch mit Jahren aus den vollen,
sinnlos den eignen Lebenshauch verhehlen,
wenn uns die Linden überschwemmen wollen
und wenn die Blinden
ihre Stöcke fragen,
ob auch die Zahl der Pappeln überlebt,
nach Laune dann die Lager aufgeschlagen,
im welken Laub, das in den Gräben bebt
mit Laken
abends erst herausgegeben
und Decken je ein gestriges Tageblatt
wollen wir einen neuen Lenz erleben
an Sommerglücks erhoffter Freudenstatt
gepäcklos, ohne Habe
all und jede,
ein Nagel je statt einem Kleiderschrank,
und für ein Bier je eine lange Rede,
und hat ein jeder seine eigne Bank
auch trauen wir
lügnerischem Augengruß,
wenn Schornsteinfegers Glücksversprechen winkt,
leihn dem die Flügel eines Ikarus,
Flechtwerk aus Hanf und eisenschwer beringt
umgehn den Zahn der
Zeit schon abgefeimt,
entführen tagediebischen Drachen,
einen aus Blättern eines Lexikons geleimt,
verzwickte Wörter bringen uns zum Lachen
vergessen Sorgen,
philosophisch Schmälen
die Fest- und Fastentage allemal,
voll Geiz befangen im Sekundenzählen,
verschwenderisch mit Jahren ohne Zahl.
(Übertragung Georg Scherg)
Rezension I Buchbestellung II02 © LYRIKwelt