Dan Danila

Stadtparkballade

Voll Geiz befangen im Sekundenzählen,
verschwenderisch mit Jahren aus den vollen,
sinnlos den eignen Lebenshauch verhehlen,
wenn uns die Linden überschwemmen wollen

und wenn die Blinden ihre Stöcke fragen,
ob auch die Zahl der Pappeln überlebt,
nach Laune dann die Lager aufgeschlagen,
im welken Laub, das in den Gräben bebt

mit Laken – abends erst herausgegeben –
und Decken – je ein gestriges Tageblatt
wollen wir einen neuen Lenz erleben
an Sommerglücks erhoffter Freudenstatt

gepäcklos, ohne Habe all und jede,
ein Nagel je statt einem Kleiderschrank,
und für ein Bier je eine lange Rede,
und hat ein jeder seine eigne Bank

auch trauen wir lügnerischem Augengruß,
wenn Schornsteinfegers Glücksversprechen winkt,
leihn dem die Flügel eines Ikarus,
Flechtwerk aus Hanf und eisenschwer beringt

umgehn den Zahn der Zeit schon abgefeimt,
entführen tagediebischen Drachen,
einen aus Blättern eines Lexikons geleimt,
verzwickte Wörter bringen uns zum Lachen

vergessen Sorgen, philosophisch Schmälen
die Fest- und Fastentage allemal,
voll Geiz befangen im Sekundenzählen,
verschwenderisch mit Jahren ohne Zahl.

(Übertragung Georg Scherg)

Rezension I Buchbestellung II02 © LYRIKwelt