Ken Corbett

Warum wandern?

Bruder eins:
"Warum wanderst du?
Hier in meinem grünen Tal
Singt die schöne Lerche
mit ihrem süssen Schall.
Gurgelt leis und langsam sacht
der kühle klare Bach,
Stehn bei kalter kristallner Nacht
die Sterne immer wach."

Bruder zwei:
"Warum bleibst du?
Dort auf dem weiten Weg
Atmet man die freie Luft
am hohen schmalen Steg.
Der Morgen ist frisch und neu.
Nachts schläft man bequem im Heu."

Bruder eins:
"Hier auf meinem kleinen Hof
kann ich werden alt.
Bei dem gemütlichen Herd
wird mir nimmer kalt.
Ich nehme mir 'ne nette Braut,
die Kinder kommen bald.
Es gibt keine schön're Musik,
als wenn Kinderstimme hallt."

Bruder zwei:
"Ich schere mich ja nichts ums Weib,
Das Weib find't man ja überall.
Halt die Kinder mir vom Leib,
Schon nicht im selben Saal.
Sie greifen wild an meinem Rock
Eben wie ich weg will.
Gib mir lieber meinen Stock,
Der jammert nicht, der bleibt fein still.

An einem Tag da komm ich wieder
Und bitte dich um ein enges Bett.
Ich setze mich am Herde nieder
Und wir plaudern um die Wett'.

Ich erzähl' dir meine Geschichten
Von den langen Wandertagen.
Du kannst mir machen deine Berichten
Was die Leute treiben und sagen
Seitdem ich das Dorf das letztemal sah
Dann zieh ich weiter beim morgendlichen Tau."

Rezension I Buchbestellung IV01© LYRIKwelt