O Schlaf, du bist so süß, so süß!
(Auszug aus: Der alte Matrose, 1880/1925, J.
Müller Verlag - Übertragung
Ferdinand Freiligrath).
O Schlaf, du bist so süß, so süß!
Geliebt von Pol zu Pol!
Maria! dir sei Preis und Dank,
Daß Schlaf auf meine Wimpern sank!
Du gabst ihn mir ja wohl!
Die Lippen naß, der
Gaumen naß,
Die Kleider – wahr ist's doch!
Im Traume trank ich sicherlich,
Und trinke, trinke noch.
Und einen Wind drauf hört'
ich wehn,
Doch ferne blieb sein Brausen!
Die Raa'n und Taue regen sich,
Die dürren Segel sausen.
Und näher drauf
erbraust der Wind;
Wie Binsen seufzen welk
Die Segel; Regen strömt herab
Aus donnerndem Gewölk.
Nicht kommt der laute
Wind ans Schiff!
Doch vorwärts geht es immer;
Die toten Menschen stöhnen dumpf
Bei des Blitzes fahlem Schimmer.
Und weiter zieht das
Schiff, bewegt
Von keines Windes Kraft;
Die Mannschaft klimmt im Takelwerk,
Treibt, was sie sonst geschafft.
Sie regen gleich Maschinen sich;
O, schrecklich, schauderhaft!
›Ich fürcht' dich,
alter Schiffsgesell! –
»Gast, ruhig immerdar! –
Denn nicht Verdammter Seele nahm
Den Körper wieder ein; nur kam
Beglückter Geister Schar!
Die Töne ziehn zur Sonn' empor,
Die licht im Osten flammt;
Dann kehren langsam sie zurück
Bald einzeln, bald gesamt.
Jetzt klingt es süß wie
Flötenlaut,
Jetzt wie Orchesterrauschen;
Jetzt ist es eines Engels Lied,
Dem selbst die Himmel lauschen.
Und ruhig segelte
das Schiff –
Kein Lüftchen trieb's im Lauf –
Bis Mittag, denn getrieben ward's,
Bewegt von unten auf.
Die Sonne, lotrecht überm
Mast,
Schaut meerwärts ohne Regung;
Doch plötzlich rührt und regt sie sich
Mit zitternder Bewegung;
Schießt vorwärts, rückwärts unruhvoll
Mit zitternder Bewegung.
Ich weiß es nicht, wie
lang ich dort
Gelegen ohne Leben;
Doch, als noch Dunkel mich umzog,
Da hört' ich in den Lüften hoch
Zwei Stimmen sich erheben.
Der Geist im Schnee- und
Nebelland
War hold dem Albatros,
Und auch der Vogel liebte den,
Der grausam ihn erschoß.
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