Pierrot Narcisse
(Leseprobe aus: Abendliche Grammatik in Blau. Gedichte
und Prosa, 2006, Königshausen & Neumann)
In
Frack und Zylinder
steht Pierrot
steif und starr und glücklich
vor leidgeprüftem Glasgrund
und breitet die Flügel aus
Schmal,
dreifaltig
blickt schwarzweiß die Silhouette
- kritisch
eine Bügelfalte prüfend -
auf kristallgeborne Töne.
O
Kornblume, Lapislaszuli-Undine
dem Meeresabgrund entlockte
Sirenentochter mit dem Atem
der Menschenkinder in den ersten
Milchtagen, süßer Marmor, Galaxien-
goldstaub im Haar, eine Peitsche
in der Hand. Durch die Bitten des Liebenden
zum
Schauen erwacht, die blauen Sprüche
des Brunnens vierhändig nachspielend
durchscheinend mit sternenäugiger Stimme
steigt Pierrot
eisig und einsam und leuchtend
in
dreifachem Dur gespiegelt zurück
in die Cherubim-Bläue
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