Auflösung von Martin Cern, 2011Martin Cern

Clara
(Leseprobe aus: Auflösung, Lyrik, 2011, dörkendesign werbeagentur).

Vielleicht war sie eine Schnecke,
so häuslich ist sie gewesen,
geheimnisvoll, in sich gekehrt,
so fein, so fühlig,
die Last, ihr eigener Schatten,
läßt sich verfolgen,
ihr Film; zeitlebens spulte aus ihr
ein unablässiges stummes Band;
es waren die Rolle, sie selber,
in eins verwachsen;
sie starb, ihre Spur unter sich lassend,
zu Haus.

Vielleicht war sie ein Frosch,
Froschkönigin, verwunschener Prinz,
die Fee im Sommerschlaf,
ein Taucher, Atemholer,
um sich hinabzusaugen
in der Regenzeit,
sich einzuschaufeln, vorsorglich,
sich durch den Schlamm zu winden
in eine feuchte Gruft
für eine trock'ne Ewigkeit,
bis es einst regnet, irgendwann,
und irgendwo wieder der Regen kommt
über das Land.

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